Alle Wege führen nach Rom… so auch unserer. Nach über 200 Tagen in Südamerika landeten wir endlich wieder in Europa – genauer gesagt am Flughafen Fiumicino. Der Flug war lang, mit einem Umstieg, und die vielen Zeitzonen hatten uns ordentlich durchgerüttelt. Als wir gegen 16 Uhr aus dem Flugzeug stiegen, waren wir erschöpft, übermüdet und noch weit davon entfernt, richtig anzukommen.
Der erste Kraftakt: Ankunft in Fiumicino
Obwohl wir kaputt waren und wenig Lust dazu hatten, bauten wir unsere Fahrräder direkt am Flughafen Fiumicino auf. Wir wollten schließlich so schnell wie möglich zu unserer etwa 4 km entfernten Ferienwohnung, die wir bereits Tage zuvor in Buenos Aires gebucht hatten, um endlich vernünftig zu essen und Schlaf nachzuholen.
Gegen 18 Uhr waren die Räder endlich fertig montiert und die Taschen befestigt. In der Dämmerung fuhren wir los. Auf dem Weg machten wir einen Zwischenstopp bei einem italienischen Supermarkt, der uns mit überraschend vielen pflanzlichen Produkten beeindruckte – ein toller erster kulinarischer Eindruck von Europa.
In der Ferienwohnung angekommen, luden wir nur die wichtigsten Taschen ab und kochten uns in der Küche direkt selbst etwas zu essen. Nachdem wir noch ein paar Taschen für die Weiterfahrt sortiert hatten, fielen wir todmüde ins Bett und schliefen bis zum nächsten Mittag durch. Den restlichen Tag ließen wir ruhig angehen: Ein kleiner Spaziergang durch Fiumicino, abends wieder selbst kochen und viel Schlaf, bevor es am nächsten Tag weiter zum Campingplatz ging.
Auf zwei Rädern Richtung Campingplatz & Zwischenstopp in Ostia
Nach zwei Nächten in der Ferienwohnung ging es wieder auf die Räder Richtung Campingplatz, etwa 20 Kilometer außerhalb von Rom. Unterwegs machten wir einen Zwischenstopp in Ostia Antica, um uns das **Castello di Giulio II** anzuschauen. Diese Burg aus dem 15. Jahrhundert diente einst als Festung und Zollstation am Tiber. Der Innenraum war für uns zwar eher enttäuschend, doch der Abstecher lockerte die Strecke angenehm auf.
Kurz vor dem Ziel passierte es: Wir wollten gerade vom Parkplatz eines Supermarktes losrollen, um die letzten Kilometer zum Campingplatz zurückzulegen, als wir das Malheur bemerkten. Annkathrins Hinterrad war platt und der Mantel stark beschädigt. Nach der Suche nach einem Mechaniker und dem Fragen von Einheimischen fanden wir schließlich einen Laden. Ein echter Glücksfall: Der Mechaniker reparierte das Rad sofort und hatte sogar den passenden Mantel da! Die Weiterfahrt war danach weitgehend unproblematisch, auch wenn einige Straßen eng und stark befahren waren.
Logistische Basis: Warum wir vorab den Bungalow buchten
Wir hatten uns schon im Vorfeld ganz bewusst für einen Bungalow auf dem Campingplatz entschieden, statt unser Zelt aufzuschlagen. Da unsere große gemeinsame Isomatte kaputt war und das Frühjahr in Italien noch ziemlich frisch war, stand Komfort für uns an erster Stelle.
Zudem hatten wir für die Zeit in Rom einige Arzttermine geplant und erwarteten Pakete mit Ersatzteilen und persönlichen Sachen, die wir unterwegs nicht so einfach bekommen hätten. Der Bungalow diente uns also als perfektes logistisches Zentrum. Da wir unseren eigenen Kocher nutzen konnten, sparten wir zudem Geld, da Bungalows mit integrierter Küche deutlich teurer gewesen wären.
Fahrradfahren in Rom: Schnellstraßen & Herausforderungen
Richtig anspruchsvoll wurde es erst, als wir einmal von unserer Basis am Campingplatz in die Stadt fuhren, um Nicos Fahrrad reparieren zu lassen.
- Gefährliche Abschnitte: Teilstücke der Strecke waren wie Schnellstraßen, mit Fahrradverboten, wenig Platz und kaum Alternativen. Wir mussten trotzdem ein Stück fahren und direkt an der nächsten Ausfahrt wieder runter.
- Pflegezustand: Die Straßenbegrünung ist oft wenig gepflegt. Bäume und Büsche ragen so weit in den Weg, dass man als Radfahrer ständig ausweichen muss.
Persönlicher Rat: Wer Rom mit dem Fahrrad erkunden möchte, sollte solche Strecken meiden oder die Route extrem genau vorab planen.
Erste Eindrücke: Rom zwischen Prunk und Realität
Anfangs fiel es uns schwer, Rom zu genießen. Müll, Hochhäuser im „Ostblock-Stil“ und viel Graffiti trübten den Eindruck. Viele Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum oder den Circo Massimo bestaunten wir nur von außen – für uns als Reisende mit kleinem Budget waren die Eintrittspreise oft einfach zu hoch.
Ein Highlight war ein Park mit einer Artigas-Statue, die uns sofort an unsere Zeit in Uruguay erinnerte. Im Vergleich zu Buenos Aires mit seinen vielen grünen Parks fehlte uns in Rom manchmal das Grün, aber die Stadt hat trotzdem ihren eigenen Charme – wenn man ihn abseits der Massen sucht.
Kosten & Verpflegung: Tipps für Low-Budget-Reisende
Mobilität & Steuern
Die Kurtaxe für Ferienwohnungen ist ein Punkt, den man im Budget einplanen muss. Bei den Verkehrsmitteln haben wir aber eine strategische Lösung gefunden:
- Tagesticket: 8,50 € pro Person – auf Dauer zu teuer.
- Monatskarte: Für längere Aufenthalte lohnt sich die Karte für 35 € pro Person.
Unser Tipp: Nutzt die Monatskarte, um die tägliche Fahrt mit dem Rad in die Stadt zu vermeiden. So spart ihr euch die schlechten Schlaglochstraßen, den extremen Verkehr und das stressige Großstadtgewummel. Es schont die Nerven und das Material der Fahrräder ungemein.
Pflanzliche Ernährung
Nach der Zeit in Südamerika waren wir von den Supermärkten begeistert – die Auswahl an pflanzlichen Alternativen ist großartig. Essen gehen war dagegen gemischte: Die Pizza schmeckte fantastisch, aber bei Pasta-Portionen sind wir als hungrige Radfahrer oft nicht satt geworden. Da war selber kochen im Bungalow die deutlich bessere (und günstigere) Wahl.
Unser Fazit: Rom – ein zweiter Blick lohnt sich
Nach einigen Wochen hat sich unser Bild gewandelt. Rom wird für uns wahrscheinlich nie die Stadt sein, in der wir uns „zuhause“ fühlen – dafür war uns das Ganze oft zu laut, zu dreckig und zu wenig grün. Wegen dieser Punkte hat sich der Aufenthalt am Anfang für uns auch einfach falsch angefühlt.
Aber wir haben gelernt, die stillen Momente zu schätzen: die Stunden auf dem Friedhof Verano, die Ruhe in den goldenen Kirchen und die Geschichte, die an jeder Ecke lauert. Rom war für uns ein anstrengender, logistisch wichtiger Neustart in Europa. Auch wenn der Start holprig war, war der Stopp für uns am Ende okay.




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