Nach unserem Stopp im historischen Pompeji zog es uns weiter an die Küste – genauer gesagt an die weltberühmte, malerische Amalfiküste. Wenn man auf einer Open-End-Radreise ist, gewöhnt man sich an wechselnde Landschaften, aber dieser Abschnitt sollte uns noch einmal ganz neu fordern. Was wie ein entspannter Küstenradweg klingt, entpuppte sich schnell als echtes sportliches Abenteuer mit dem Reiserad.
Hier ist der Erfahrungsbericht unserer Tour voller Postkartenmotive, brennender Oberschenkel und dem Duft von frischen Zitronen.
Etappe 1: Von Pompeji nach Sorrento – Höhenmeter und der Zitronen-Hype
Der erste Tag dieser Etappe führte uns von Pompeji bis nach Sorrento (Sorrent). Schon auf den ersten Kilometern wurde uns klar: Die Amalfiküste schenkt einem nichts. Es galt, einige knackige Höhenmeter zu bezwingen. Es war anstrengend, aber erstaunlicherweise kamen wir trotz des schweren Gepäcks richtig gut voran.
Belohnt wurden wir ohnehin im Minutentakt: Immer wieder blitzte das blau glänzende Meer zwischen den Klippen auf. Die Ausblicke waren so wunderschön, dass wir ständig anhielten, um Fotos und Videos zu machen.
In Sorrento angekommen, schoben wir unsere Fahrräder gemütlich durch die belebte Fußgängerzone. Die Architektur ist traumhaft – ein schönes Haus reiht sich an das nächste. Was sofort ins Auge springt, ist die gelbe Pracht in den Auslagen. In fast jedem Laden dreht sich alles um die berühmte Amalfi-Zitrone (Sfusato Amalfitano).
Das Geheimnis der Amalfizitrone
Diese Zitronen sind nicht mit den Früchten aus dem deutschen Supermarkt zu vergleichen – sie sind riesig, oft so groß wie Grapefruits oder Melonen! Ihre Schale ist dick, uneben und extrem reich an ätherischen Ölen, weshalb sie so intensiv duften. Das Besondere: Sie sind viel süßer und milder, weshalb man sie in der Region sogar pur mit etwas Salz oder Zucker isst. In den sozialen Medien ist seit Längerem das Zitroneneis viral, das direkt in einer ausgehöhlten Riesen-Zitrone serviert wird. Ein cooler Food-Trend, aber mit 8 € pro Portion auch ein verdammt teurer Spaß! Wir haben dankend verzichtet – das war es uns für ein Eis dann doch nicht wert.
Camping in Sorrento: Teuer und exklusiv
Die Unterkunftssuche gestaltete sich schwierig. Die Region ist extrem zugebaut, sodass Wildcamping hier praktisch unmöglich ist. Hotels oder Ferienwohnungen lagen bei gut 100 € pro Nacht. Wir entschieden uns daher für einen Campingplatz – mit rund 40 € für ein Zelt auch kein Schnäppchen für unsere Reisekasse.
Als Radreisende fühlten wir uns dort leider etwas „unerwünscht“: Wir bekamen einen Platz in einer kleinen Ecke ohne direkten Stromanschluss zugewiesen. Da wir aber müde waren und keine Lust mehr hatten, nach Alternativen zu suchen, ließen wir uns die Laune nicht verderben. Zelt aufgebaut, gekocht und dann ging es zu Fuß über eine lange Treppe hinunter zum kleinen Strand von Sorrento. Wunderschön, aber winzig – hier merkt man sofort, dass man sich in einem echten Luxusort befindet.
Etappe 2: Schiebe-Schicht von Sorrento über Massa Lubrense nach Santa Maria della Neve
Am nächsten Tag wartete die wahre Herausforderung auf uns. Die Route führte uns von Sorrento über Massa Lubrense hoch nach Santa Maria della Neve. Die Steigungen auf diesem Abschnitt waren so extrem, dass an Fahren überhaupt nicht zu denken war. Wir mussten unsere bepackten Fahrräder viele Stunden lang den Berg hinaufschieben, weil es einfach zu anstrengend wurde.
Ursprünglich hatten wir geplant, bei Termini noch einen Abstecher nach Crapolla (Cercito) zu machen und weiter bis zur äußersten Spitze der Halbinsel zu radeln. Doch auf einer Open-End-Radreise muss man lernen, auf seinen Körper zu hören: Die Erschöpfung von den ganzen Höhenmetern siegte. Wir hatten schlichtweg keine Lust mehr auf diesen zusätzlichen Umweg und entschieden uns, ihn einfach auszulassen. Am Abend fanden wir erschöpft ein kleines, ruhiges Plätzchen für unser Zelt und schliefen müde ein.
Etappe 3: Über die Klippen bis nach Minori – Camping auf der Zitronenplantage
Der dritte Tag brachte uns schließlich nach Minori. Und ja, das Spiel wiederholte sich: Berge, Täler, traumhafte Küstenpanoramen und jede Menge Stopps, um zu fotografieren oder zu filmen. Es gab zwar wieder viele Höhenmeter, aber zwischendurch ging es glücklicherweise auch mal etwas bergab.
Doch die Höhenmeter kurz vor dem Ziel sollten uns an diesem Tag noch einmal ganz schön zu schaffen machen. Kurz vor dem angepeilten Campingplatz in Minori ging es noch einmal richtig heftig bergauf.
Schiebend erreichten wir schließlich den Berg hinauf den Campingplatz – und der war etwas ganz Besonderes! Er befand sich mitten auf einer echten Zitronenplantage, wo wir direkt zwischen den Bäumen campen durften. Es gab eine einfache Dusche, eine Toilette und sogar eine kleine Outdoorküche. Ein absoluter Traum! Wir bauten fix das Zelt auf und fielen wieder einmal todmüde in den Schlafsack. Doch vorher buchten wir online noch schnell eine Ferienwohnung in der Nähe von Salerno. Nach den ganzen Strapazen brauchten wir auf unserer Langzeit-Radreise definitiv ein paar Tage Pause, um die Beine zu regenerieren.
Etappe 4: Bis nach Salerno und die wohlverdiente Pause
Am nächsten Morgen brachen wir auf zu unserer letzten kurzen Küsten-Etappe für die nächsten Tage. Wir radelten entspannt zu unserer gebuchten Unterkunft in Richtung Salerno. Unterwegs machten wir noch einen großen Halt bei einem Supermarkt, um unsere Vorräte ordentlich aufzustocken. Danach hieß es erst einmal: Füße hochlegen und die Akkus wieder aufladen!
Wie es für uns dann im Landesinneren des Stiefels weitergeht, um an die andere Küstenseite zu gelangen, seht ihr im nächsten Blogartikel!

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