Fahrrad fahren an der rauen Atlantikküste Uruguays [#40]

Nach unserem ersten Aufenthalt in Montevideo nahmen wir für drei Wochen Abschied vom Hostel – allerdings nur vorübergehend. Wir wussten bereits, dass wir zurückkehren würden, denn bei unserem letzten Aufenthalt hatten wir dort schon viele Nächte vorreserviert. Trotzdem war die Vorfreude groß, denn vor uns lag eine neue Etappe unserer Radreise: mit dem Fahrrad entlang der Küste Uruguays in Richtung Cabo Polonio.

Am 1. Januar starteten wir direkt aus Montevideo. Die Stadt war ungewöhnlich ruhig, viele Geschäfte geschlossen, die Feiertagsstimmung machte das Fahrrad fahren entspannt. Nach den ersten Kilometern durch die Innenstadt erreichten wir die Küstenlinie am Río de la Plata. Der Fahrradweg wechselte zwischen gut ausgebauten Abschnitten und holprigem Asphalt, ließ sich insgesamt aber gut fahren. Der Blick aufs Wasser begleitete uns fast durchgehend.

Am Abend erreichten wir einen Campingplatz. Dort trafen wir zufällig einen Radreisenden, der ebenfalls mit dem Fahrrad durch Südamerika unterwegs war und Richtung Ushuaia fuhr. Solche Begegnungen gehören für uns zu den schönsten Momenten einer Radreise.

Radreise nach Piriápolis

Am nächsten Tag setzten wir unsere Fahrt fort. Da es keinen durchgehend befahrbaren Weg direkt an der Küste von Montevideo nach Las Flores gibt, führte die Route längere Zeit über den Seitenstreifen einer Schnellstraße. Kurz vor Las Flores machten wir einen Abstecher zum Castillo Pittamiglio, bevor wir unsere Fahrt fortsetzten.

Anschließend radelten wir weiter nach Piriápolis. Müde von den Kilometern entschieden wir uns, dort zwei Nächte zu bleiben. Der Campingplatz war sehr voll, unser Zelt stand fast direkt neben dem nächsten. Es war viel los, laut und deutlich trubeliger, als wir es von vielen anderen Campingplätzen auf unserer Radreise gewohnt waren.

Schon am ersten Abend trafen wir erneut einen Radreisenden, ebenfalls auf dem Weg Richtung Süden. Überraschenderweise kannte er den Radfahrer, den wir am Vortag getroffen hatten. Beim Fahrrad fahren auf Langstrecke ist die Welt manchmal erstaunlich klein.

In der ersten Nacht vor unserem Pausentag frischte der Wind plötzlich stark auf. Mitten in der Nacht entstand auf dem Campingplatz ein regelrechtes Gewusel, als einige andere Camper ihre Zelte erneut und fester im Boden verankerten. Auch wir wurden vom Sturm geweckt und merkten schnell, dass diese Nacht alles andere als ruhig werden würde.

Den Pausentag selbst verbrachten wir dennoch ruhig. Wir besuchten einen Wochenmarkt, schlenderten durch den Ort und ließen es entspannt angehen. Der Wind blieb jedoch hartnäckig. Als wir am Nachmittag an der Uferpromenade von Piriápolis spazieren gingen, war vom Strand kaum noch etwas zu sehen. Das Wasser reichte bis an die Ufermauer, und hohe Wellen schlugen teilweise über die Promenade. Die Kraft des Atlantiks war an diesem Tag deutlich zu spüren.

Atlantikküste Uruguay und schwierige Entscheidungen

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Osten. Zum ersten Mal lag der Atlantik Uruguays direkt vor uns. Kurz vor der Lagune bei Rocha verließen wir die Küstenstraße und fuhren ein Stück ins Landesinnere. Das Wetter wurde zunehmend unbeständig, weshalb wir uns spontan für eine Übernachtung in einem Hotel in Rocha entschieden.

Die folgende Etappe stellte sich als schlechte Routenwahl heraus. Rund 14 Kilometer führten über schottrige, sandige Wege mit ständigem Auf und Ab. Jeder Kilometer kostete Kraft, und wir waren erleichtert, als wir schließlich wieder Asphalt unter den Reifen hatten.

Am Abend informierten wir uns genauer über Cabo Polonio. Dabei erfuhren wir, dass die letzten Kilometer nur mit speziellen Trucks zurückgelegt werden dürfen. Nach 30 Kilometern Gegenwind an der Atlantikküste Uruguays erreichten wir das Terminal. Dort zeigte sich jedoch das nächste Problem: Es gab keine sichere Möglichkeit, unsere Fahrräder abzustellen. Schweren Herzens entschieden wir uns, Cabo Polonio auszulassen und umzudrehen.

La Paloma: Regen, Chaos und Durchhalten

Wir fuhren zurück in Richtung La Paloma. Unterwegs trafen wir erneut einen Radreisenden, der uns einen Campingplatz empfahl. Genau dort beendeten wir den Tag und planten eigentlich einen Pausentag, da Regen angekündigt war.

Der Regen kam heftig und anhaltend. Stundenlang regnete es in Strömen, der Zeltboden wurde nass, wir hatten keine Isomatten und unsere Schlafsäcke waren komplett durchnässt. Am nächsten Morgen retteten wir uns mit unseren wichtigsten Sachen für einige Stunden in die Toilette des Campingplatzes.

Als der Regen endlich nachließ, nutzten wir jede Minute Sonne. Wir spannten Leinen, bauten das Zelt ab und legten alles zum Trocknen aus. Fast alles wurde trocken, doch ein weiterer Regenschauer machte unsere Arbeit zunächst zunichte. Erst später kam die Sonne zurück, und diesmal trocknete wirklich alles. Am Abend bauten wir das Zelt erneut auf und machten noch einen Spaziergang durch La Paloma.

Rückweg entlang der Küste Uruguays

Schließlich traten wir den Rückweg an, größtenteils über dieselbe Strecke. Einen letzten Abstecher machten wir nach Las Flores. Dort entdeckten wir eine wackelige Hängebrücke, die zu einer kleinen Insel im Atlantik führte. Auf der Insel lagen riesige Mengen an Miesmuscheln – ein eindrucksvolles Bild an der rauen Atlantikküste Uruguays.

Fazit: Radreise an Uruguays Atlantikküste

Diese Küstenschleife war abwechslungsreich und fordernd zugleich. Sonne, Wind, Regen und Gegenwind wechselten sich ständig ab. Das Fahrrad fahren an der Atlantikküste Uruguays ist intensiv, manchmal anstrengend, aber landschaftlich beeindruckend. Am Ende freuten wir uns sogar ein wenig darauf, nach Montevideo zurückzukehren – auf den Karneval, vertraute Gesichter im Hostel und ein kleines Stück Routine nach all dem Reisechaos.

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