Foto einer alten Lokomotive in Possadas

Einreise nach Argentinien per Bike: Nervenaufreibend und chaotisch [#36]

Wir rollten an diesem Morgen vom Hotelparkplatz in Encarnación und waren uns sicher:

Das wird ein entspannter Tag.

Die Unterkunft in Posadas war schon gebucht, nur wenige Kilometer lagen vor uns, wir mussten im Grunde „nur kurz“ die Grenze passieren. Drüben wollten wir Bargeld abholen, eine SIM-Karte kaufen und die Unterkunft ganz normal über einen Online-Dienstleister bezahlen — alles schon organisiert, alles schien einfach.

Tja. Dachten wir.

Die Brücke – und die erste Überraschung

Wir radelten zur großen Brücke, über die alle Autos zwischen Paraguay und Argentinien fahren. Wir stellten uns schon vor, wie wir da ganz entspannt mitrollen würden.

Doch die Realität wartete schon:

Ein Grenzbeamter winkte uns heraus, lächelte freundlich und sagte eindeutig:

„Mit dem Fahrrad? Über die Brücke? Das geht nicht. Ihr müsst den Zug nehmen.“

Wir standen da und versuchten, das zu verarbeiten. Das entspannte Tagesziel begann langsam zu bröckeln.

Der Bahnhof – und das Bargeldproblem

Also fuhren wir zum Bahnhof. Dort erfuhren wir den Preis für die Tickets — und stellten fest:

Wir hatten nicht genug Bargeld. Es gab keine Kartenzahlung, keine Ausnahme, keine spontane Lösung.

Also wieder zurück zur Brücke. Wir fragten dort, ob man uns vielleicht doch einmalig durchlassen könnte. Leider nicht.

Stattdessen bekamen wir eine Wegbeschreibung zum nächsten Geldautomaten.

Wir suchten … und suchten … und fanden ihn zunächst nicht. Erst nach einer Rückfrage an einer Tankstelle standen wir endlich davor — nur um festzustellen, dass er ausschließlich paraguayische Währung ausgab. Mit hohen Gebühren. Und das lohnte sich kurz vor der Ausreise so gar nicht.

Also dachten wir nach. Und dann fiel es uns wieder ein: Wir hatten noch ein paar paraguayische Scheine, die wir eigentlich als Souvenir behalten wollten. Also holten wir sie wieder hervor und zählten alles durch. Leider war es immer noch zu wenig für zwei Tickets.

Der Mann am Bahnhof führte schließlich den entscheidenden Satz:

„Wechselt das Geld an der Autogrenze. In argentinischen Pesos wird es reichen.“

Die ungewöhnlichste Wechselstube der Reise

Wir radelten erneut zur Brücke. Dort standen mehrere improvisierte Wechselstuben:

Campingstühle, Tische, Sonnenschirme, eine Geldzählmaschine, ein paar Beamte im Hintergrund, die alles im Blick hatten.

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Wir wechselten das Geld — und bekamen tatsächlich einen guten Kurs.

Zum ersten Mal an diesem Tag dachten wir:

„Okay, jetzt könnte es wirklich klappen.“

Der Zug – endlich Richtung Argentinien

Uns steckte der ganze Ticket-Hin-und-Her-Marathon noch in den Knochen. Nach all den Wegen zwischen Brücke, Bahnhof, wieder Brücke und wieder Bahnhof standen wir nun endlich im Zug. Das Ruckeln war uns egal – wir waren einfach nur froh, dass wir nun tatsächlich auf dem Weg nach Argentinien waren.

Doch im Hinterkopf blieb der Gedanke:

„Moment … wir haben ja noch keinen Stempel. Wie funktioniert das jetzt eigentlich alles hier?“

Direkt ins Grenzgebäude – und erstmal Schlange stehen

Der Zug fuhr ein und spuckte alle Passagiere direkt in ein einziges Gebäude aus. Keine Abzweigung, kein anderer Weg – man stand sofort im Grenzposten.

Wir waren die Letzten in der Reihe, weil wir als Einzige unsere vollbepackten Fahrräder aus dem Waggon schieben mussten. Vor uns stand bereits eine lange Schlange, und wir hatten genug Zeit, das ganze Prozedere zu beobachten.

Wir sahen, wie ein Scanner Band nach Band mit Taschen schluckte.

Manche Leute mussten Dinge aus ihren Rucksäcken rausnehmen, manche wirkten leicht genervt. Wir dachten nur:

„Oh nein, bitte nicht alle Fahrradtaschen runter … bitte nicht heute.“

Die Online-Registrierung – und die ewige Fehlermeldung

Als wir endlich an der Reihe waren, reichten wir unsere Pässe ab und wollten die nötige Online-Registrierung ausfüllen.

Eigentlich kein Problem … sollte man meinen.

Doch jedes Mal, wenn wir das Formular abschickten, erschien nur:

Fehler. Bitte erneut versuchen.

Immer wieder.

Wieder und wieder.

Und wieder.

Wir probierten alles Mögliche — keine Chance.

Also gingen wir erneut zum Schalter, erklärten, dass das Formular einfach nicht funktionieren wollte, und baten um Hilfe. Die Beamten waren zum Glück entspannt, schauten sich das Ganze an und sagten dann:

„Wir machen das einfach für euch.“

Ein paar Klicks später war alles erledigt. Keine Magie, einfach Routine für sie – und für uns eine riesige Erleichterung.

Nochmalige Kontrolle – alles korrekt hinterlegt

Da uns wichtig war, dass wirklich alles sauber eingetragen war – Einreise Argentinien, Ausreise Paraguay, keine Datensatz-Fehler –, fragten wir sicherheitshalber noch einmal nach.

Die Beamten nahmen uns daraufhin mit in einen anderen Raum des Gebäudes, überprüften unsere Daten im System und bestätigten:

„Alles korrekt. Ihr seid regulär eingereist und auch korrekt in Paraguay abgemeldet.“

Diese Bestätigung fiel uns wie ein Stein vom Herzen. Nach dem Tag voller kleiner Überraschungen wollten wir kein weiteres Chaos riskieren.

Die Taschenkontrolle – zum Glück harmloser als erwartet

Der Scanner stand immer noch vor uns wie ein Mahnmal.

Wir stellten uns bereits mental darauf ein, jede einzelne Fahrradtasche abzumontieren.

Doch plötzlich lief alles ganz unkompliziert:

Ein Beamter öffnete nur kurz zwei Taschen, warf einen flüchtigen Blick hinein, nickte zufrieden und sagte:

„Passt. Weitergehen.“

Keine große Kontrolle, kein Scanner, kein Stress.

Wir wurden einfach durchgewinkt – und standen endlich offiziell in Argentinien.

Wir dachten:

„Okay, jetzt kann ja nicht mehr so viel schiefgehen. Wir brauchen nur Bargeld, eine SIM-Karte und etwas zu essen. Der Rest wird easy.“

Tja … hätte der Tag ein Gesicht gehabt, er hätte wahrscheinlich müde gelacht.

Erste Eindrücke von Posadas

In Posadas angekommen, hatten wir überraschend noch ein paar Stunden Zeit, bevor wir zum vereinbarten Check-in in unsere Unterkunft mussten. Also fuhren wir direkt in die Innenstadt, wo wir uns auf unserer Offline-Karte schon einige Banken markiert hatten. Wir wollten gerne etwas Bargeld dabeihaben, bevor wir weiter nach Misiones starten würden.

Schon auf dem Weg dorthin sammelten wir erste Eindrücke von Posadas – die Stadt wirkte auf uns etwas moderner und gepflegter als die paraguayische Seite. Einige Gebäude hatten wir so nicht erwartet, und der erste Rundumblick gefiel uns direkt gut.

Bargeld-Odyssee: von Bank zu Bank

Doch dann begann die Odyssee:

Wir standen in einem Bankenkomplex mit mehreren Filialen und probierten nacheinander verschiedene Geldautomaten aus – ohne Erfolg. Mal hieß es, der Betrag sei nicht verfügbar, mal funktioniere die Karte nicht, und selbst am Schalter bekamen wir nur Schulterzucken.

Der Stress der letzten Stunden hing uns ohnehin noch in den Knochen, und nun auch noch das. Frustriert setzten wir uns erst einmal in einen Park, atmeten durch und versuchten, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Nach einer Pause probierten wir eine weitere Bank – und endlich spuckte der Automat Bargeld aus. Allerdings nur einen sehr kleinen Betrag und zu extrem hohen Gebühren. Weil wir in dem Moment einfach nur erleichtert waren, merkten wir erst beim zweiten Abhebeversuch, wie teuer das Ganze wirklich war.

Da war für uns klar: Das machen wir nicht noch einmal.

Also fragten wir unsere Community um Rat.

Wir schilderten das Problem – und bekamen direkt mehrere hilfreiche Antworten: Viele nutzen in Argentinien Online-Transfer-Dienstleister, die günstiger sind und zuverlässig funktionieren.

Das war für uns die Lösung.

Wir meldeten uns sofort bei einem solchen Dienstleister an und konnten damit endlich problemlos und deutlich günstiger Geld auszahlen lassen. Eine riesige Erleichterung!

Nachdem das Bargeldthema endlich vom Tisch war, ruhten wir uns kurz im Park aus und fuhren dann zum Ferienhaus, das wir gebucht hatten. Wir hatten vereinbart, dass die Besitzerin zu einer bestimmten Uhrzeit da sein würde und erklärt, dass wir noch keine argentinische SIM-Karte hätten.

Doch als wir ankamen, warteten wir erstmal – 20 Minuten, dann 30. Niemand kam.

Also teilten wir uns auf: Einer blieb bei den Fahrrädern, der andere suchte nach öffentlichem WLAN. In der Nähe wurden wir tatsächlich fündig und konnten über den Buchungsdienst eine Nachricht schicken. Offenbar hatten sie nicht bedacht, dass wir offline waren. Kurz darauf kam die Besitzerin an, wir konnten über das WLAN direkt bezahlen und schließlich einziehen.

SIM-Karte und erste Erkundungen

Am nächsten Tag besorgten wir uns eine argentinische SIM-Karte. Wir hatten vorher online recherchiert, welcher Anbieter gute Touristenpakete anbietet. Vor Ort lief alles schnell und problemlos – endlich wieder mobiles Internet, und das zu einem fairen Preis.

In den nächsten Tagen erkundeten wir Posadas etwas mehr. Besonders blieb uns die lange Uferpromenade in Erinnerung, an der abends viele Menschen saßen – mit Campingstühlen, Musik oder einfach nur einem Mate in der Hand.

Ein paar große Stadttouren führten uns durch den Basar und durch die Innenstadt, und zwischendrin schauten wir in einige Souvenirläden hinein.

An einigen der Pausentage regnete es heftig, sodass wir einfach drinnen blieben und arbeiteten.

 

Foto von einer großen Buch Statue
Foto von einer großen Kugel Statue

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