Foto eines Campingplatzes in Argentinien

Unterwegs mit dem Fahrrad durch Missiones [#37]

Nach unseren Pausentagen in Posadas stiegen wir wieder aufs Rad und waren sofort zurück in der Realität des südamerikanischen Straßenverkehrs. Wir kannten das bereits aus Paraguay: Schnellstraßen statt Radwege, Seitenstreifen statt Komfort. In Paraguay war der Verkehr allerdings meist locker, fast gemütlich. In Argentinien dagegen wechselte es ständig – mal kaum Autos, mal plötzlich LKW-Kolonnen.

Genau diese Unberechenbarkeit begleitete uns nun wieder auf unserer Fahrradweltreise durch Argentinien. Und oft dachten wir: Vielleicht wird’s im nächsten Land anders? Vielleicht gibt es wieder mehr Radwege?

Doch bisher ähnelte alles sehr dem, was wir aus Paraguay kannten – nur mit mehr Verkehrsschwankungen.

Am Río Paraná entlang – schön, windig, herausfordernd

Von Posadas aus folgten wir dem Río Paraná, der neben uns in der Sonne glitzerte. Die Strecke war landschaftlich herrlich, aber der Gegenwind holte alles aus uns heraus. Obwohl wir bewusst nicht viele Kilometer geplant hatten, fühlte sich der Tag durch die kleinen Anstiege und die Böen an wie ein Mini-Marathon.

Wildcampen war in dieser Region kaum möglich. Fast alles war eingezäunt, und freie Naturplätze gab es selten. Dadurch fühlte es sich an, als würden wir gerade von Unterkunft zu Unterkunft reisen, statt spontan zu entscheiden. Wir sehnten uns nach dem Freiheitsgefühl, das wir in Europa hatten, wo wir selbstverständlich einfach mal draußen übernachten konnten.

Kleines Landhotel bei Garupá

Eigentlich wollten wir nur eine Nacht in diesem kleinen Landhotel nahe Garupá bleiben. Doch schon bei der Ankunft merkten wir, wie gut uns dieser Ort tat. Die Besitzer waren unglaublich freundlich, zeigten uns alles ganz in Ruhe und ließen uns die Gemeinschaftsküche mitbenutzen. Wir waren komplett allein dort – die einzigen Gäste – und konnten uns dadurch wunderbar ausbreiten. Einer der Inhaber sprach sogar etwas Englisch, was die Kommunikation erleichterte.

Kurz darauf ging es einem von uns gesundheitlich nicht so gut. Die nächste Etappe wäre allerdings eine längere Strecke ohne Versorgungsmöglichkeiten gewesen. Weiterzufahren hätte keinen Sinn gemacht. Also blieben wir spontan länger: Aus einer geplanten Nacht wurden drei Nächte – zwei vollständige Pausentage, die uns richtig gutgetan haben, bevor wir weiter Richtung Pinapolý fuhren.

Foto eines Landhotels in Argentinien

Weiterfahrt nach Pinapolý

Nach der Pause fühlten wir uns wieder fit genug, um weiterzufahren. Die Strecke war typisch für diese Region Argentiniens: manchmal ein Seitenstreifen, manchmal keiner, mal dichter Verkehr, mal fast nichts – ein ständiger Wechsel, den wir schon aus Paraguay kannten. Nur dort war oft weniger Verkehr unterwegs gewesen. Hier mussten wir stärker darauf achten, vor allem an den Stellen, an denen der Seitenstreifen plötzlich verschwand.

In Pinapolý angekommen, fanden wir den Campingplatz, den wir uns vorher herausgesucht hatten, und blieben dort für eine Nacht. Der Platz war einfach, aber landschaftlich sehr schön gelegen, mit einem kleinen Fluss, durch den sogar Autos fahren konnten.

Kleiner Wasserfall und Wasserfilter-Premiere

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu einem kleinen Wasserfall in der Nähe. Er lag direkt an einem schmalen Weg, der in ein winziges Dorf führte. Der Wasserfall selbst war nicht spektakulär, aber sehr idyllisch. Wir setzten uns hin, beobachteten das herabfließende Wasser, kochten etwas und entspannten.

Da unsere Wasservorräte langsam knapp wurden und wir nicht wussten, wann wir sie wieder zuverlässig auffüllen konnten, nutzten wir zum ersten Mal auf dieser Reise unseren Wasserfilter. Wir hielten ihn direkt in den kleinen, klaren Wasserstrom und filterten unser Wasser frisch in unsere Flaschen. Endlich hatte der Filter seinen ersten echten Einsatz – und er funktionierte perfekt.

Foto eines Wasserfalls in Argentinien

Während unseres Aufenthalts am Wasserfall schauten wir immer wieder nach, ob beim nahegelegenen Campingplatz jemand aufgetaucht war. Beim ersten Versuch: niemand. Beim zweiten Versuch: immer noch niemand. Wir begannen schon darüber nachzudenken, ob wir wohl am Wasserfall wildcampen müssten.

Doch beim dritten Mal änderte sich alles: Plötzlich hörten wir Musik vom Gelände, sahen endlich Menschen und riefen ein lautes „¡Hola!“. Sofort kamen die Besitzer auf uns zu. So konnten wir doch noch auf dem Campingplatz übernachten – sehr einfach, vermutlich ohne richtige Dusche, aber günstig und vollkommen ausreichend für eine Nacht.

Gobernador Virasoro: Küche, Gewitter und kleine Alltagsprobleme

Am nächsten Tag machten wir uns früh auf den Weg Richtung Gobernador Virasoro. Schon unterwegs zogen dunkle Wolken auf. In der Ferne grollte es. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig unter einen kleinen Unterstand, bevor ein starker Regenschauer herunterkam. Wir und die Räder passten genau darunter und warteten, bis der Regen nachließ.

In Virasoro hatten wir uns ein Apart-Hotel ausgesucht – mit eigener kleiner Küche. Das war wichtig, denn die Wettervorhersage versprach mehrere Tage Starkregen und Gewitter. Und tatsächlich: Es schüttete heftig und immer wieder.

Die Küche war einfach, aber funktional. Der Backofen war einer dieser Modelle, bei denen man unten eine Klappe öffnet und das Gas per Hand anzünden muss. Es dauerte etwas, bis wir herausgefunden hatten, wie er funktioniert. Solche kleinen Herausforderungen gehören inzwischen zu unserem Reisealltag: jeder Herd ist anders, jeder Backofen eine Überraschung. Umso dankbarer sind wir für unsere eigene kleine mobile Fahrradküche – inklusive unserer Pfanne, die wir ständig benutzen und die wir auf jeden Fall weiterempfehlen können.

Über lange und monotone Straßen nach Santo Tomé

Sobald das Wetter sich endlich beruhigte, radelten wir weiter nach Santo Tomé. Die Strecke war unspektakulär, flach und ziemlich eintönig. Kaum etwas, das für Abwechslung sorgte. Wir waren froh, als wir endlich ankamen.

Das erste Hotel, das wir ansteuerten, schien niemanden vor Ort zu haben. Wir sollten über einen Messenger-Dienst eine Nachricht schicken, taten das auch und warteten. Doch eine Antwort kam nicht. Also fuhren wir weiter zum nächsten Hotel – dort war sofort jemand an der Rezeption. Wir bekamen ein schönes Zimmer, ein einfaches Frühstück am nächsten Morgen und verbrachten dort zwei Nächte, bevor es für uns weiterging.



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