Foto von uns beiden mit der Uruguay Flagge

Radreise Uruguay – SIM-Karten-Rätsel und Wassersuche [#38]

Unsere Radreise durch Uruguay begann mit einer kleinen logistischen Herausforderung direkt an der Grenze. Wir radelten von Brasilien rüber und stellten fest: Das Auschecken aus Brasilien und das Einchecken für den Reisepass in Uruguay passierte auf derselben Seite. Nachdem die Formalitäten erledigt waren, hieß unser erster Stopp: Bella Unión.

Bargeld-Suche und die „Siesta“-Falle

In Bella Unión angekommen, hatten wir zwei Prioritäten: Bargeld und eine SIM-Karte. Die einzige Bank im Ort wollte uns jedoch kein Bargeld geben. Zum Glück fanden wir einen öffentlichen WLAN-Hotspot und konnten über einen Online-Transferdienst Geld organisieren.

Doch so einfach war es nicht: Der Auszahler hatte gerade Pause. Wir mussten zwei Stunden warten. Die Zeit verbrachten wir in einem Park. Von den ersten uruguayischen Pesos, die wir zuvor noch auf der brasilianischen Seite in der Grenzstadt geschenkt bekommen hatten, kauften wir uns ein Getränk und eine Kleinigkeit zu essen und setzten uns in den Schatten.

Nachdem wir schließlich unser erstes selbst abgeholtes Bargeld in den Händen hielten, folgte die nächste Überraschung im Hotel: Wir konnten dort nur bar bezahlen, was unseren Vorrat sofort um die Hälfte schrumpfen ließ. Also hieß es am nächsten Tag: noch einmal zur Abholstelle, damit wir für die Weiterfahrt genügend Bargeld hatten.

Foto vom Fahrrad fahren in Uruguay

Das Abenteuer SIM-Karte: Von Supermärkten und spanischen Hotlines

Mit dem Fahrrad durch Uruguay zu fahren ohne Internet? Schwierig. Die Suche nach einer SIM-Karte in Bella Unión war eine echte Odyssee, bis wir durch Zufall an einer Supermarktkasse fündig wurden.

Doch die Aktivierung war hart. Schließlich landeten wir in einem spanischsprachigen Telefonat, um die Karte freizuschalten. Da Annkathrins Schulspanisch schon lange her war, war es echt schwierig, alles auf Spanisch zu erklären. Am Ende klappte es aber: Wir buchten 40 GB und bekamen aus irgendeinem Grund sogar 52 GB geschenkt!

Hitze und Durst: Der Kampf auf der Straße nach Salto

Nach der Pause in Bella Unión lagen etwa 150 km bis nach Salto vor uns. Obwohl wir Vorräte hatten, füllten wir unseren großen Wassersack explizit nicht, da wir dachten, die extra gekauften Flaschen würden ausreichen. Ein Fehler, den wir bald bereuen sollten.

Die Sonne brannte erbarmungslos auf unsere Körper und den glühenden Asphalt der Straße. Es gab kaum Schatten, in den wir uns flüchten konnten. Während wir meist auf dem Seitenstreifen fuhren und die Autos und Trucks an uns vorbeizogen, verlangten unsere Körper nach Trinken – viel Trinken. Die Hitze und die sportliche Anstrengung des Radfahrens zehrten an unseren Kräften. Es ging immer wieder leicht bergauf und bergab, was uns alles abverlangte.

Sonnenuntergang mit Palmen und anderen Bäumen

Wir sehnten uns verzweifelt nach Schatten und einer Erfrischung, doch unsere Wasservorräte gingen unaufhaltsam zur Neige. Wir mussten uns jeden Schluck Wasser ganz genau einteilen. Am zweiten Abend war die Lage schließlich kritisch: Das Wasser war fast aufgebraucht, und keine Wasserquelle oder ein Supermarkt war in Sicht.

Wir fragten ein paar Autofahrer nach Wasser und bekamen tatsächlich eine angefangene Flasche sowie ein paar Kräcker geschenkt. Da wir auch nicht mehr viel Brot hatten und abends dringend etwas essen mussten, verzichteten wir extra auf das Warmkochen, um das kostbare Wasser zu sparen. 

Stattdessen bereiteten wir eine einfache Sauce aus Zwiebeln, Knoblauch, Gewürzen und passierten Tomaten zu, in die wir die Kräcker tunkten. Es war kein Festmahl, aber wir hatten zumindest etwas im Magen.

Ein kleines Restaurant auf der digitalen Karte war unsere letzte Hoffnung für den nächsten Morgen, doch es folgte die Ernüchterung: Der Laden hatte zu.

Rettung durch ein Pappschild

Nach langem Warten suchten wir im Müll beim geschlossenen Restaurant nach einer Lösung und fanden tatsächlich ein Stück Pappe. Daraus bastelten wir uns ein Schild mit der Aufschrift „necesitamos Agua“ / „wir brauchen Wasser“. Die Hilfsbereitschaft war überwältigend: Durch das Schild hielten Fahrer an und wir bekamen Wasser geschenkt, teils sogar eisgekühlt mit Eiswürfeln, und zusätzlich einige eisgekühlte Orangen. Diese Gaben retteten uns den Weg zum Warmshowers-Host.

Ankunft in Salto

Völlig erschöpft, aber dankbar, erreichten wir kurz vor Salto einen kleinen Laden an der Straße für kühle Getränke und Snacks, da unsere Mägen bereits knurrten. In Salto wurden wir herzlich von einem Warmshowers-Host und seiner kleinen Familie aufgenommen. Da es die nächsten Tage regnen sollte, blieben wir drei Nächte und erholten uns von den Strapazen. An einem Pausentag zeigte uns unser Host abends sogar noch mit dem Auto die Stadt.

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