Nach unserer Fähre von Montevideo nach Buenos Aires begann ein neuer Abschnitt unserer Reise. Schon beim Überqueren fiel uns auf, dass die Preise in Argentinien an Supermärkten deutlich günstiger waren als in Uruguay, obwohl Argentinien für uns zu Beginn schon relativ teuer wirkte. Im Vergleich mit Uruguay war es allerdings immer noch moderat – ein wichtiger Punkt für alle, die planen, später einzelne Länder in Südamerika zu bereisen.
Auf dem Weg durch Uruguay, von Cabo Polonio zurück Richtung Montevideo, hatten wir einen Radreisenden kennengelernt, der normalerweise in Buenos Aires lebt und gerade auf Urlaub war. Er bot uns an, bei ihm zu übernachten, wenn wir einmal in der Stadt wären – ein Angebot, das wir gerne annahmen.
So fanden wir uns für neun Nächte in einem eigenen Gästezimmer wieder, konnten unsere Fahrräder sicher abstellen und lernten Buenos Aires aus der Perspektive eines Einheimischen kennen. Durch unseren Gastgeber und einen seiner Freunde, den wir dort kennenlernten, wurde die Zeit besonders angenehm und kommunikativ, da wir auf Englisch sprechen konnten und viele Tipps bekamen, was wir uns in der Stadt ansehen sollten.
Parks und Ruhe in der Metropole
Unser erster Eindruck von Buenos Aires war geprägt von seinen vielen grünen Orten, die oft einen ruhigen Kontrast zum Großstadttrubel boten. Schon früh zog es uns in den Botanischen Garten „Carlos Thays“, der im Norden der Stadt im Stadtteil Palermo liegt.
Dieser Garten, der seit dem späten 19. Jahrhundert existiert, beeindruckte uns durch seine üppige Pflanzenvielfalt, seine bunten Beete und die Kombination aus Natur und kunstvoll gestalteten Wegen. Beim Schlendern zwischen alten Bäumen, exotischen Gewächsen und kleinen Pavillons hatten wir oft das Gefühl, weit weg von einer Millionenmetropole zu sein. Die Atmosphäre dort war ruhig, fast meditativ, und man spürte, wie wichtig solche Orte für das Lebensgefühl in dieser riesigen Stadt sind.
Einen ganz anderen, aber ebenso eindrucksvollen Eindruck hinterließ der Ecoparque Buenos Aires, der ehemalige Zoo. Einst beherbergte der Zoo Tiere aus aller Welt, heute steht der Park als Teil eines ökologischen Projekts, das Landschaft, Geschichte und Umweltbildung verbindet. Die weitläufigen Wege, alten Gebäude und offenen Bereiche machen den Besuch interessant, auch wenn uns bewusst wurde, wie unterschiedlich die Vorstellungen über Tierhaltung und Lebensräume sein können. Der Park ist ein großer Raum, in dem sowohl Natur als auch die Geschichte des Ortes selbst spürbar wird – ein Ort, der zum Nachdenken anregt, aber auch einfach zum Weiterlaufen und Beobachten einlädt.
Das Planetarium von Buenos Aires bewunderten wir von außen, fasziniert von seiner futuristischen Architektur und der Vorstellung, was für ein anderes Universum sich dahinter verbergen könnte. Schon der Anblick allein machte Lust darauf, irgendwann einmal eine Vorstellung zu besuchen.
Chinatown – Fest und Farben
Ein besonders lebendiger Ausflug führte uns nach Chinatown, und zwar genau zu einem Zeitpunkt, als dort ein Neujahrsfest stattfand. Überall waren Menschen unterwegs, kleine Stände mit asiatischen Spezialitäten und Produkten säumten die Straße, und die Stimmung war bunt, lebhaft und ein bisschen fremd zugleich – ohne dabei übertrieben oder inszeniert zu sein. Drachenkostüme und Dekorationen schufen ein ganz besonderes Flair, das wir so nicht erwartet hatten, und wir fanden es interessant, diese Vielfalt mitten in einer südamerikanischen Großstadt zu erleben.
La Boca – bunt, touristisch und die Colón-Fabrik
Einer der Orte, auf den wir uns sehr freuten, war La Boca – ein Stadtteil, der auf vielen Postkarten zu sehen ist und den man sofort mit Buenos Aires verbindet. Schon beim Hineinkommen fiel uns auf, wie bunt dieser Ort ist: Häuserfassaden in kräftigen Farben, Ecken mit Kunstständen, die ihre Werke entlang der Straßen zeigten, und überall kleine Details, die diesen Stadtteil einzigartig machen. Die bunten Fassaden hatten zum Teil Plastiken und Kunstobjekte, die aus den Wänden herausblickten, und alles wirkte, als sei es gezielt dafür geschaffen worden, den Blick anzuziehen.
Trotzdem muss man sagen, dass La Boca stark touristisch geprägt ist. Überall reihten sich Souvenirshops an Restaurants, und wenn man nicht allein an den klassischen Fotospots interessiert ist, sondern echtes, alltägliches Stadtleben sehen möchte, wirkt der Stadtteil teilweise eher wie ein Thema für Besucher als wie ein lebendiger, authentischer Teil der Stadt.
In der Nähe von La Boca befindet sich die Colón‑Fabrik, eine Ausstellung, die zur weltberühmten Teatro Colón gehört. Hier konnten wir uns die riesigen, historischen Bühnenbilder ansehen – pompös, luxuriös und mit einer Detailverliebtheit, die kaum vorstellbar ist, wenn man nicht davor steht. Die Kulissen sind wirklich beeindruckend: riesige, reich verzierte Szenerien, die zeigen, wie aufwendig und groß die Produktionen des Teatro Colón einst waren. Auch wenn der Eintritt etwas kostete, hat sich dieser Besuch für uns absolut gelohnt, weil man auf diese Weise einen Blick hinter die Kulissen eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt erhält.
Tigre – Wasserwege und Leben am Delta
Zum Abschluss unserer Buenos‑Aires‑Zeit führte uns ein Tagesausflug nach Tigre, einem Ort nördlich der Stadt am Delta des Paraná‑Flusses. Tigre wirkt mehr wie ein System aus Kanälen denn wie eine klassische Stadt: Häuser stehen direkt am Wasser, kleine Stege führen von einem Bereich zum nächsten, und Boote ersetzen vielerorts die Fahrzeuge auf den Straßen.
Wir machten eine Bootstour durch die Wasserwege und sahen, wie Menschen hier ganz selbstverständlich Boote nutzen, um zur Arbeit zu kommen, an kleinen Märkten zu handeln oder Gäste zu empfangen. Die ruhige Bewegung des Wassers, die Spiegelungen der Hütten und Gärten im Fluss und das leise Plätschern unter dem Rumpf unseres Bootes machten diesen Ausflug zu einem sehr entspannten, aber dennoch eindrucksvollen Erlebnis – ein ganz anderes Gesicht der Region, weg vom Großstadtlärm, hin zu einer eher mediterran‑insularen Atmosphäre.
Wieder Richtung Europa
Irgendwann stand für uns auch wieder eine größere Reise an: Wir wollten zurück nach Europa fliegen, um dort die nächste Phase unserer Radreise zu beginnen. Einen Tag vor dem Flug fuhren wir mit unseren Fahrrädern etwa 20 Kilometer zum Zug, der uns dem Flughafen näherbringen sollte. Mit Gepäck und Fahrradkartons war das alles andere als einfach, und als wir am Bahnhof ankamen, zeigte sich, dass der Fahrstuhl defekt war. Die Kartons und Räder mussten Treppen hoch‑ und runtergetragen werden – ein Kraftakt, der ohne die Hilfe eines Einheimischen fast nicht zu schaffen gewesen wäre.
Nach dem Bahnhof legten wir noch einmal gut 12 Kilometer bis zum Flughafen zurück – teils über Schnellstraßen, was mit voll gepackten Rädern nicht besonders angenehm war, aber schließlich gelang uns alles. Die Nacht am Flughafen war laut, unbequem und kurze, aber am Morgen konnten wir unser Gepäck abgeben, durch die Sicherheitskontrollen gehen und schließlich in den Flieger nach Madrid steigen.
Der Flug war lang und obwohl wir versuchten zu schlafen, war es nicht besonders erholsam. In Madrid hatten wir etwa sieben Stunden Umsteigezeit, die wir am Flughafen verbrachten, unter anderem im Gespräch mit einem anderen Reisenden. Der anschließende Flug nach Rom, Italien verlief eher im Schlafmodus, denn wir waren weiterhin sehr müde. Als wir schließlich in Rom landeten, bauten wir die Fahrräder wieder auf und radelten zum Ferienhaus – bereit für den nächsten Teil unserer großen Radreise durch Europa.
Unser Fazit zu Buenos Aires
Wir können Buenos Aires jedem empfehlen, der Zeit und Lust hat, eine lebendige, vielseitige Stadt zu erkunden. Allerdings würden wir selbst das nächste Mal mehr Zeit einplanen als nur neun Nächte, denn die Stadt hat unglaublich viel zu bieten, und wir haben viele Sehenswürdigkeiten aus Zeitgründen ausgelassen. Gleichzeitig war unsere Reise angenehm und bereichernd – nicht zuletzt wegen unseres Gastgebers und der Möglichkeit, die Stadt authentisch aus Sicht eines Einheimischen zu erleben. Wir können uns gut vorstellen, noch einmal nach Buenos Aires zurückzukommen, sowohl wegen der Menschen, die wir dort kennengelernt haben, als auch wegen des lebendigen, bunten Stadtlebens, das die Metropole zu bieten hat.


![Wie das Wetter unsere Fahrt in den marokkonischen Bergen bremste [#24]](https://zweiaufrad.de/wp-content/uploads/2025/04/zweiaufrad-wetter-marrokko.webp)

