Annkathrin Kaßner am Wasserfall in Paraguay (zweiaufrad)

Mit dem Fahrrad von Brasilien nach Paraguay [#33]

Unsere Radreise führte uns nach einem längeren Aufenthalt in Brasilien weiter nach Paraguay. Wir starteten unser Radreise-Abenteuer Paraguay von Foz do Iguaçu aus. Von dort radelten wir zur berühmten Freundschaftsbrücke, auch Ponte da Amizade genannt, die Brasilien mit Paraguay verbindet.

Unser Grenzübertritt Brasilien–Paraguay mit dem Fahrrad

Der Grenzübergang mit unseren Fahrrädern verlief erstaunlich unkompliziert. Auf der brasilianischen Seite mussten wir lediglich unseren Reisepass vorlegen und sagen, dass wir ausreisen möchten. Dafür erhielten wir einen Ausreisestempel. Anschließend schoben wir unsere Fahrräder über den Fußweg der Brücke.

Während wir unterwegs waren, standen die LKWs im Stau und auch die Autos kamen nur langsam voran. So hatten wir genug Zeit, die Aussicht über den Fluss zu genießen.

Auf der paraguayischen Seite bekamen wir den Einreisestempel nach Vorlage unserer Buchungsbestätigung für eine Unterkunft und einer kurzen Erklärung zu unseren Reiseplänen. Taschenkontrollen gab es für uns keine worüber wir erleichtert waren. Allerdings merkten wir schnell: Hier wird ausschließlich Spanisch oder Portugiesisch gesprochen – eine kleine Herausforderung für uns bei der Kommunikation.

Erste Eindrücke von Ciudad del Este

Ciudad del Este begrüßte uns mit einer Mischung aus modernen Hochhäusern, riesigen Shopping-Centern und einem geschäftigen Straßenbild. Eine breite Hauptstraße zieht sich mitten durch die Stadt, flankiert von zwei kleineren Nebenstraßen. Wir entschieden uns schnell, eine dieser Seitenstraßen zu nehmen: Dort war der Verkehr zwar immer noch lebhaft, aber nicht ganz so dicht wie auf der Hauptachse. Genau dort entdeckten wir die vielen quirligen Straßenmärkte, die uns ein wenig an Marokko erinnerten. Zwischen den Ständen konnte man alles finden – von Kleidung über Elektronik bis hin zu Alltagsgegenständen.

Für uns war es ein bisschen mühsam, einen Geldautomaten zu finden, da wir nur auf Offline-Maps zurückgreifen konnten. Dort waren die Automaten nicht besonders gut eingezeichnet, und durch die vielen Marktstände konnte man oft nicht direkt erkennen, ob sich dahinter vielleicht eine Bank befand. Also hieß es: genau hinschauen, anhalten und nachprüfen. Schließlich wurden wir fündig und konnten Guaraní abheben.

Wir hatten im Internet gelesen, dass es in Paraguay auch Geldautomaten geben soll, an denen man US-Dollar abheben kann. Unser Automat bot diese Option allerdings nicht an – dort gab es nur Guaraní. Ob es wirklich solche Automaten gibt, konnten wir also nicht bestätigen, da wir selbst keinen gefunden haben. Für uns war das aber kein Problem, denn auch wenn ein Preis nur in US-Dollar ausgezeichnet war, konnten wir einfach mit Guaraní bezahlen. Der Betrag wurde dann zum aktuellen Kurs umgerechnet.

Wichtig für Reisende: In Paraguay gibt es zwei Währungen – den US-Dollar und den paraguayischen Guaraní. Das kann manchmal etwas verwirrend sein, da in Geschäften oder auf Märkten die Preise teils in US-Dollar und teils in Guaraní ausgezeichnet sind. Wer die Beträge in Euro oder eine andere Währung umrechnen möchte, sollte daher immer den aktuellen Wechselkurs im Blick haben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir auch dann mit Guaraní bezahlen konnten, wenn nur ein Dollar-Preis angegeben war. In kleineren Orten ist Bargeld fast immer notwendig, während in größeren Städten auch Kartenzahlung gelegentlich möglich ist.

Nachdem wir also Bargeld hatten, machten wir uns relativ zügig auf den Weg zu unserem gebuchten Ferienhaus. Der Regen hatte uns inzwischen schon ziemlich durchnässt, und wir wollten einfach nur ankommen. Eigentlich war vereinbart, dass wir der Besitzerin über eine Social-Media-Plattform Bescheid geben würden, sobald wir die genaue Ankunftszeit wussten. Doch da unsere brasilianische SIM-Karte nicht mehr funktionierte und wir keine hohen Roaming-Kosten riskieren wollten, fuhren wir einfach direkt zum Haus.

Zum Glück hatten wir schon vorab das WLAN-Passwort erhalten. So konnten wir uns nach der Ankunft ins Netz einloggen und die Besitzerin informieren. Da wir etwas zu früh dran waren, warteten wir, während das Haus noch von den Putzkräften fertig gemacht wurde. Unter einem Vordach im Garten saßen wir einigermaßen trocken, bis wir schließlich ins Haus einziehen konnten.

Mobile Daten in Paraguay – SIM-Karte oder nicht?

Auch wenn wir ursprünglich nur wenige Kilometer durch Paraguay fahren wollten, merkten wir schnell, dass es sinnvoll ist, sich eine lokale SIM-Karte zuzulegen. WLAN gibt es zwar ab und zu – in Unterkünften, Cafés oder an öffentlichen Plätzen – aber wirklich zuverlässig ist das nicht, und wir wollten unabhängig bleiben.

Bereits im Ferienhaus nutzten wir das WLAN, um uns über lokale Anbieter für mobiles Datenvolumen, die verfügbaren Pakete und Optionen für Reisende zu informieren. Auf Basis dieser Recherche entschieden wir uns für einen Anbieter und gingen am nächsten Morgen direkt dorthin, um alles zu klären und danach wieder flexibel online sein zu können.

Der Kauf verlief problemlos: Wir bekamen sogar eine englischsprachige Ansprechpartnerin, mit der wir uns nett unterhielten, auch über unsere Reise. Es dauerte zwar ein bisschen, bis wir die SIM-Karte schließlich in den Händen hielten und damit online gehen konnten – aber das war vollkommen in Ordnung.

Wir wählten unbegrenztes Datenvolumen, mussten später jedoch feststellen, dass dieses nur auf einem Gerät nutzbar war, also ohne Tethering auf andere Geräte. Für Reisende, die eine SIM-Karte oder ein Datenpaket für mehrere Geräte teilen möchten, ist das ein wichtiger Hinweis. Um weiterhin mehrere Geräte gleichzeitig nutzen zu können, buchten wir später ein zusätzliches Datenpaket über die App. So konnten wir wieder auf allen Geräten surfen, wo das ursprüngliche Limit bestand.

Alles in allem war das Paket preislich sehr fair, wir fühlten uns gut betreut und waren dank der lokalen SIM-Karte deutlich unabhängiger unterwegs. Gerade in einer Stadt wie Ciudad del Este ist es praktisch, mobile Daten zu haben: für Navigation, um spontan ein Uber zu rufen, nach Restaurants oder Supermärkten zu suchen oder einfach, um unterwegs Nachrichten abzurufen.

Einkaufen in Ciudad del Este – Ein Erlebnis der besonderen Art

Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten haben wir auch die Gelegenheit genutzt, die vielfältigen Importgeschäfte in Ciudad del Este zu erkunden. Wir hatten uns bewusst entschieden, an diesem Tag shoppen zu gehen: Einerseits wollten wir einfach sehen, was es dort so gibt, andererseits hatten wir zuvor schon Werbung für die Shopping-Center in der Region, auch aus Brasilien, gesehen und waren neugierig.

Besonders interessant war das Shopping Center Paris, das mehrere Etagen umfasst. Eine Etage ist dabei speziell Shopping China gewidmet, einem großen Bereich mit einer riesigen Auswahl an Produkten – von Elektronik über Haushaltswaren bis hin zu Mode und Kosmetik. Viele der Artikel stammen aus China oder anderen Ländern und sind aufgrund steuerlicher Vorteile in Paraguay erhältlich. Einige Produkte waren jedoch etwas teurer, vermutlich wegen der Importkosten.

Interessanterweise mussten wir an der Kasse unseren Reisepass vorzeigen. Das ist in Paraguay in vielen Duty-Free-ähnlichen Importgeschäften üblich: Die Angestellten prüfen damit die Herkunft der Kunden und stellen sicher, dass die Einkäufe den Zoll- und Steuerbestimmungen entsprechen. So wird kontrolliert, wie die Produkte ins Land kommen oder wieder ausgeführt werden, ohne dass der Laden für die steuerliche Abwicklung Probleme bekommt. Der Besuch im Shopping China-Bereich war für uns eine Mischung aus Faszination und Überforderung: Die schiere Menge an Produkten und die Vielfalt der Marken waren beeindruckend, aber auch etwas überwältigend. Neben Elektronik gab es viele Haushaltsgegenstände, Kleidung und Accessoires. Einige Leute kauften große Mengen ein, für uns war es vor allem spannend, die Auswahl zu entdecken. Abseits der großen Einkaufszentren fanden wir auf den kleinen Straßen vor den Geschäften lebhafte Märkte mit lokalem Handel. Hier verkaufen Händler Lebensmittel, Kleidung und allerlei Waren, während Autos und Motorräder durch die Gassen fahren – ein wuseliges, aber authentisches Treiben. Eine Besonderheit sind die Motorrad-Taxis, die in der Stadt unterwegs sind. Für uns kamen sie nicht infrage, da wir zu zweit waren, aber für Alleinreisende können sie eine praktische Möglichkeit sein, sich im dichten Verkehr schneller fortzubewegen. Wir nutzten stattdessen Uber, um komfortabel unterwegs zu sein. Zum Abschluss noch ein kleiner Komfortfaktor: draußen herrschten um die 30–31 Grad, im Shoppingcenter selbst war es deutlich kühler, was den Besuch zusätzlich angenehm machte.

Saltos del Monday – Wasserfälle abseits der Massen

Am nächsten Tag hatten wir uns entschieden, die Saltos del Monday zu besuchen. Wir hatten uns vorher schon Bilder auf Google Maps angeschaut und waren neugierig, da die Wasserfälle nicht nur sehr schön aussehen, sondern auch wahrscheinlich nicht so überlaufen sind wie die berühmten Iguazú-Wasserfälle. Außerdem sollte das Wetter an diesem Tag wieder gut werden, sodass wir eine gute Sicht auf die Wasserfälle genießen konnten.

Als wir dort ankamen, wurden wir nicht enttäuscht: Die Wasserfälle waren wirklich beeindruckend. Zwar mussten wir zunächst noch einen kleinen Eintritt bezahlen, aber der Preis war absolut fair. Die Saltos del Monday sind zwar nicht ganz so riesig wie die Iguazú-Wasserfälle, aber trotzdem spektakulär.

Besonders schön war, dass wirklich nicht viele Besucher vor Ort waren. Wir hatten zwischendurch sogar die Besucherplattform direkt am Wasserfall für uns alleine, was das Erlebnis besonders und einzigartig machte. Wir konnten die Zeit dort richtig genießen, den Blick auf die Wasserfälle bewundern und beobachten, wie das Wasser kraftvoll herunterstürzte – das hat uns wirklich sehr gefallen.

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Wir konnten den Wasserfällen relativ nah kommen, unter anderem über einen Fahrstuhl mit einem Glasfenster, von dem aus wir die Wasserfälle von unten sehen konnten. Später drehte der Wind auf der Plattform, sodass wir ein bisschen nass wurden – aber das machte das Erlebnis nur noch eindrucksvoller. Insgesamt war es ein richtig schönes Erlebnis, das wir sehr genossen haben, bevor es weiter zum nächsten Punkt unserer Reise ging.

Grenzstein auf der paraguayischen Seite & Stadtbesuche

Nach den Saltos del Monday fuhren wir mit einem Uber zum Grenzstein auf der paraguayischen Seite. Von dort aus liefen wir noch ein paar Meter durch einen öffentlichen Park, wo sich der Grenzstein befand. Der Park war offen zugänglich, ein Eintritt war nicht erforderlich. Die Umgebung wirkte etwas verfallen: Es gab einen alten, leicht heruntergekommenen Spielplatz und ein paar Sitzmöglichkeiten, wo man sich ausruhen konnte. Es sah so aus, als ob es früher einmal ein Restaurant an einer Stelle gegeben hatte, das schon lange nicht mehr in Betrieb war.

Wir setzten uns ein wenig, genossen die Aussicht und entspannten kurz. Die Temperaturen lagen bei über 30 Grad, sodass wir viel tranken, um nicht auszutrocknen.

Die paraguayische Flagge am Dreiländereck

Als wir später wieder ein Uber zurück in die Stadt buchen wollten, hatten wir keinen Internetempfang, sodass wir zunächst etwa zwei Kilometer zu Fuß gehen mussten, bevor wir wieder Verbindung hatten. In der Zwischenzeit nutzten wir die Gelegenheit, uns zu erfrischen und weiterhin Wasser zu trinken.

Mit wieder funktionierendem Internet riefen wir dann ein Uber, fuhren kurz zurück in die Stadt, schauten uns noch einmal einige Shopping-Center an und besorgten im Supermarkt alles Nötige für die nächsten Tage. Danach ging es zurück zum Ferienhaus, wo wir noch Essen zubereiteten.

Die Zeit im Ferienhaus neigte sich dem Ende zu, da am nächsten Tag die Weiterfahrt anstand. Allerdings begann es wieder zu regnen, sodass wir eine Regenpause einlegten und beschlossen, nicht bei dem schlechten Wetter zu fahren. Stattdessen machten wir eine Zwischenstation in einem Hotel, um die Zeit entspannt zu überbrücken.

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