Annkathrin

Bonjour France: Mit dem Fahrrad ΓΌber die Grenze [#06]

Kurz nach der Grenze hΓΆrte der Bahntrassen-Radweg abrupt auf. Der erste HΓΌgel ließ nicht lange auf sich warten, und wir mussten mΓΌhsam in unseren ersten GΓ€ngen hinaufstrampeln. Auf dem Weg fΓΌllten wir unsere Wasserflaschen an WasserhΓ€hnen auf FriedhΓΆfen auf – ein Geheimtipp unter Radreisenden, besonders wenn der nΓ€chste Supermarkt zu weit entfernt ist oder die GeschΓ€fte geschlossen sind. FriedhΓΆfe bieten oft trinkbares Leitungswasser. Zwischendurch endeten die Fahrradwege Γ€hnlich wie in Belgien plΓΆtzlich, und wir fanden uns auf Landstraßen zwischen schnell fahrenden PKWs und tonnenschweren LKWs wieder. Annkathrin sah sogar, wie ein Auto auf der Gegenfahrbahn ein Autoteil verlor. Wir fuhren weitere 14,9 Kilometer von der Grenze entfernt, bis wir einen geeigneten Platz fanden, um unser Zelt aufzuschlagen. Doch wir warteten bis zur DΓ€mmerung mit dem Zeltaufbau und nutzten die Zeit auf unseren CampingstΓΌhlen, um an unseren Smartphones ein YouTube-Shortvideo und mehrere BlogbeitrΓ€ge zu bearbeiten. Ein Tag voller HΓΆhen und Tiefen Am Tag danach schliefen wir bis ungefΓ€hr 9:15 Uhr aus. Die VΓΆgel zwitscherten wieder voll motiviert, eine KrΓ€he krΓ€chzte oben im Baum und ein paar Fahrzeuge rauschten auf der Straße in der NΓ€he vorbei. Die Sonne war auch schon da und schien durch die ganzen BlΓ€tter der BΓ€ume, denn es sollte ein warmer Tag werden. Diesen gingen wir ruhig an. Bevor wir uns daran machten, das Zelt abzubauen, bauten wir erstmal die CampingstΓΌhle wieder auf und aßen etwas zum FrΓΌhstΓΌck. Dann ging es weiter. An Tag 39 brachten wir entspannte 26,4 Kilometer hinter uns. Es war heute mit bis zu 33,6 Β°C etwas wΓ€rmer, deshalb mussten wir viel trinken und zwischendurch Pause machen. Gegen Mittag hatten wir mit einigen HΓΆhenmetern zu kΓ€mpfen, mussten ein paar steile Berge hinaufschieben und wurden mit tollen Aussichten belohnt. Um 14:15 Uhr machten wir an einer Kirche in einem Dorf Halt, um uns im Schatten der großen BΓ€ume auszuruhen. Zu unserer Begeisterung fanden wir mehrere Steckdosen, die an der Außenseite der Kirche angebracht waren, und nutzten die Gelegenheit, um unsere Powerbanks nachzuladen. Wir nutzten die Zeit auch, um unsere Laptops auszupacken, einen Blogbeitrag zu erstellen und an einem YouTube-Video zu arbeiten. Auf unseren Smartphones hatten wir gesehen, dass uns gegen 19 Uhr ein Gewitter erreichen sollte, deshalb fuhren wir gegen 16:30 weiter und schauten nebenbei schon mal nach passenden UnterstΓ€nden. Gegen 17:25 Uhr fΓΌllten wir erneut unsere WasservorrΓ€te auf einem Friedhof auf. PlΓΆtzlich landeten wir am Ardennes-Kanal. Der Ardennes-Kanal ist ein beeindruckendes GewΓ€sser, das sich durch die hΓΌgelige Landschaft der Ardennen schlΓ€ngelt und ein beliebtes Ziel fΓΌr Radfahrer und Wanderer ist. Das freute uns sehr, da wir es neben dem Kanal angenehm zu fahren hatten: die Wege waren geteert und es gab keine starken Steigungen. NΓ€he des Kanals fanden wir schnell einen passenden Unterstand – eine Art Garage, die mal angefangen wurde und nie zu Ende gebaut wurde und wahrscheinlich schon wenige Jahre so dort stand, denn das kleine GrundstΓΌck war ziemlichmi zugewuchert. Der Garagenrohbau hatte zwei ganze und eine halbe Wand sowie ein Metalldach. Hier schoben wir unsere FahrrΓ€der in die Ecke, wo eine ganze und die halbe Wand aufeinandertrafen, und kochten uns etwas Leckeres zu essen. Erst gab es Spaghetti mit Tomatensauce und dann gΓΆnnten wir uns noch jeweils einen Pappbecher Chinanudeln. WΓ€hrenddessen schΓΌtteten die Wolken draußen ΓΆfter mal einige Regenschauer ab. Das Dach hielt dicht und wir blieben trocken. Am Ardennes-Kanal entlang Morgens radelten wir nach einem kurzen FrΓΌhstΓΌck weiter. Anfangs regnete es noch etwas, dann kam die Sonne wieder heraus, und das anfangs immer mal wieder im Wechsel. Wir radelten knapp 40 km am Ardennes-Kanal entlang. In Nouvion-sur-Meuse kauften wir ein und kamen kurz danach mit einem anderen Radreisenden ins GesprΓ€ch. Dieser kam aus Paris und wollte nach Luxemburg City radeln. Er berichtete auch, dass er bereits einmal fΓΌr achtzehn Tage den Jakobsweg entlang geradelt war. Der Radreisende konnte allerdings wenig Englisch und sonst nur FranzΓΆsisch, was die Kommunikation etwas erschwerte. Am Ardennes-Kanal fuhren wir an diversen Schleusen vorbei, die teilweise nur wenige hundert Meter voneinander entfernt waren. Auf dem Fahrradweg neben dem Kanal mussten wir plΓΆtzlich halten, weil ein Baum umgekippt und den Weg versperrt hatte. Drei Kinder versuchten bereits, diesen mithilfe einer Multifunktionsschaufel mit SΓ€ge kleinzusΓ€gen. Wir halfen ihnen dann, indem Nico unsere SΓ€ge herausholte und den etwa zehn Zentimeter dicken Baum mΓΌhelos durchsΓ€gte. Die beiden Jungs zogen anschließend die beiden BaumhΓ€lften an den Wegesrand und der Rest half dabei, die Γ„ste an den Wegesrand zu legen. Die Kinder sprachen kein Englisch und trotzdem haben wir gemeinsam die Herausforderung gemeistert. Kurze Zeit spΓ€ter fanden wir ein Bootswrack an dem Ort, wo frΓΌher einmal La Porte Hachan war, eine historische Schleuse am Kanal. Dann radelten wir noch etwas durch eine Stadt und fΓΌllten unsere TrinkvorrΓ€te auf einem Friedhof bei einer charmanten Kirche in Tagnon auf. Kurz bevor wir die 58,4 km voll machten, begannen wir auf Schlafplatzsuche zu gehen. Wir fanden zuerst zwar einen Platz, entschieden uns dann aber aus bestimmten GrΓΌnden weiterzuziehen. Kurze Zeit spΓ€ter erblickten wir einen wunderschΓΆnen Garten mit GΓ€nsen, HΓΌhnern und einem Teich. Ein Ehepaar (zwischen 50 und 60) und deren Sohn (vermutlich Anfang/Mitte 20) waren gerade dort und fragten, ob sie uns helfen kΓΆnnten. Das Ehepaar konnte kein Englisch, aber deren Sohn konnte etwas ΓΌbersetzen. Wir antworteten, dass wir auf der Suche nach einem Schlafplatz sind, wo wir unser Zelt aufschlagen kΓΆnnten. Voller Begeisterung boten sie uns an, das Zelt auf einem frei wΓ€hlbaren Ort auf deren GrundstΓΌck zu errichten. Wir kamen auch noch ein wenig ins GesprΓ€ch und dann verabschiedeten wir uns mit β€œbonne nuit.” Morgens, an Tag 41, standen wir gegen 9 Uhr auf. Wir packten langsam alles zusammen und ließen die Außen- und Bodenplane in der Sonne trocknen. Danach fuhren wir zur BΓ€ckerei (hier β€œBoulangerie” genannt) und kauften uns ein franzΓΆsisches Baguette. Wir machten Halt an der Kirche im Ort, aßen das Baguette mit der restlichen Marmelade und putzten unsere ZΓ€hne. PlΓΆtzlich bemerkte Nico ein Ei im Gras vor einem Baum bei der Kirche. Vorsichtig hob er es mit einem KΓΌchenhandtuch auf und legte es abseits des Weges. Wir vermuteten, dass

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Annkathrin Kaßner und Nico Ladewig von β€žzweiaufrad” freuen sich ΓΌber die ersten zurΓΌckgelegten 1000 Kilometer auf ihrer großen Radreise.

Viele HΓΆhenmeter durch Belgien [#05]

Am nΓ€chsten Tag setzten wir unsere Reise auf dem Vennbahnradweg fort. Die Strecke fΓΌhrte uns ΓΌber zahlreiche BrΓΌcken, die meist ΓΌber kleine BΓ€che spannten, und sogar durch einen kurzen Tunnel, der uns direkt durch den Berg hindurchleitete. WΓ€hrend wir in die Pedale traten und die frische Luft genossen, stellten wir plΓΆtzlich fest, dass wir fΓΌr eine kurze Zeit wieder in Deutschland gelandet waren. Dies bemerkten wir jedoch nur zufΓ€llig, als uns ein deutsches Ortsschild ins Auge fiel. Es war ein merkwΓΌrdiges GefΓΌhl, so unvermittelt die Grenze zu ΓΌberqueren, ohne es direkt zu bemerken. Schon nach kurzer Zeit befanden wir uns wieder in Belgien und radelten weiter durch ruhige Orte wie Auel. Die Landschaft war idyllisch; von den AnhΓΆhen aus konnten wir weite Felder und dichte WΓ€lder sehen. Die Umgebung bot eine angenehme Abwechslung und ließ uns die Anstrengung der Strecke fast vergessen. Am Nachmittag erreichten wir schließlich die Grenze zu Luxemburg. Erstaunlich, dass wir an Tag 30 schon in unserem vierten Land waren. Wenige Kilometer hinter der Grenze fanden wir einen ruhigen Ort und kochten uns ein leckeres Abendessen: gebratene Maiskolben, vegane Nuggets und Nudeln mit Ratatouille-Soße. Kurz bevor es zu dΓ€mmern begann, schlugen wir das Zelt auf. Die anstrengenden Steigungen der Berge hatten uns viel abverlangt, und wir waren erschΓΆpft, als wir unser Tagesziel erreichten. MΓΌde und ausgelaugt krochen wir spΓ€ter in unsere SchlafsΓ€cke, dankbar fΓΌr die wohlverdiente Ruhe nach einem Tag voller Erlebnisse und Anstrengungen. Das Einschlafen fiel uns daher nicht schwer. Kilometerrekord und nΓ€chtliche Besucher Tags darauf ließen wir wieder einige HΓΆhenmeter hinter uns. Die Strecke verlangte uns erneut einiges ab, doch wir genossen die Herausforderung und die Ausblicke, die uns die HΓΆhen boten. Mitten auf einer besonders steilen Passage verschaltete sich Annkathrin einmal, wodurch die Kette vom Ritzel sprang. Wir mussten kurz anhalten und die Kette wieder einhaken. Es war eine kleine Panne, die uns jedoch nicht lange aufhielt und uns nur daran erinnerte, wie wichtig es ist, immer aufmerksam zu sein. Am Nachmittag knackten wir schließlich die 1.000-Kilometer-Marke, die wir seit Beginn unserer Reise zurΓΌckgelegt hatten. Es war ein stolzer Moment, den wir gebΓΌhrend feierten und auf Foto & Video festhielten. Auf unserem Weg kamen wir an einem alten Wasserturm vorbei, der majestΓ€tisch in den Himmel ragte. Kurz darauf fanden wir einen abgelegenen Schlafplatz fΓΌr die Nacht. Es war ein ruhiger Ort, perfekt, um unser Zelt aufzuschlagen und die Ruhe der Natur zu genießen. Nach einem anstrengenden Tag fielen wir mΓΌde in unsere SchlafsΓ€cke. Da wir ΓΌber Warmshowers von den Hosts, bei denen wir angefragt hatten, keine Reaktionen oder nur Absagen erhalten hatten, buchten wir ein Appartement fΓΌr zwei NΓ€chte in Luxemburg (Stadt). In der Nacht hΓΆrten wir nur ein paar Rehe bellen, ein eigenartiges GerΓ€usch, das uns zunΓ€chst aufhorchen ließ, aber bald beruhigte. Es erinnerte uns daran, wie nah wir der Natur waren und wie besonders diese Erfahrung auf unserer Fahrradtour wirklich war. Schweißtreibende Anstiege und ein erholsamer Campingplatz Tags darauf ging es wieder einige Berge hinauf. Ein besonders steiler Anstieg zwang uns, wieder abzusteigen und unsere RΓ€der zu schieben. Nachdem wir den Anstieg gemeistert hatten, fuhren wir weiter durch Diekirch. Die charmante Stadt bot eine willkommene Abwechslung. Wir nutzten die Gelegenheit, um unsere VorrΓ€te aufzustocken. Unser Ziel fΓΌr den Tag war ein Campingplatz, den wir nach einer weiteren Fahrt erreichten. Einkaufsfrust und teure Pommes Am nΓ€chsten Tag setzten wir unsere Fahrradtour fort und passierten dabei eine imposante Burgruine, die leider nicht zugΓ€nglich war. Trotzdem genossen wir den Anblick der alten GemΓ€uer, die sich majestΓ€tisch ΓΌber der Landschaft erhoben. Unser nΓ€chstes Ziel war, einige EinkΓ€ufe zu erledigen. Wir besuchten mehrere GeschΓ€fte auf der Suche nach einer Gasflasche, einem Campingadapter, Klebstoff und Zurrgummis fΓΌr unsere GepΓ€cktrΓ€ger. Leider konnten wir außer dem Klebstoff nichts finden, da uns die Preise fΓΌr die anderen GegenstΓ€nde zu hoch waren. Der Hunger trieb uns spΓ€ter zu einer Fastfood-Kette, wo wir wahrscheinlich die teuersten Pommes unseres Lebens aßen. Nach dem Essen Γ€rgerten wir uns ein wenig ΓΌber die Ausgabe, aber wir nahmen es mit Humor und versprachen uns, beim nΓ€chsten Mal sorgfΓ€ltiger zu wΓ€hlen. FΓΌr die Nacht fanden wir schließlich ein ruhiges PlΓ€tzchen zum Schlafen. Es war ein abgelegener Ort, fernab von StraßenlΓ€rm und anderen StΓΆrungen. Erlebnisse in Luxemburg Stadt: Fahrstuhl und Erkundungen Wir erreichten Luxemburg Stadt und wurden sofort von ihrer SchΓΆnheit beeindruckt. Ein Highlight war der kostenlose Panoramafahrstuhl, den wir mit unseren RΓ€dern benutzten und der uns einen atemberaubenden Ausblick ΓΌber die Stadt bot. WΓ€hrend wir die Stadt durchquerten, entschieden wir uns, eine neue Action Cam zu kaufen, um unsere Abenteuer festzuhalten. Wir waren schon seit Wochen auf der Suche nach einer bestimmten Action Cam als Zweitkamera, doch bisher hatten wir sie in keinem ElektronikgeschΓ€ft finden kΓΆnnen. In Luxemburg Stadt entdeckten wir die neueste Version dieser Kamera, komplett mit dem ZubehΓΆr, das wir uns ausgesucht hatten. Obwohl sie etwa 100€ teurer war als das VorgΓ€ngermodell, fiel uns die Entscheidung leicht und wir kauften sie. Wir hatten nΓ€mlich schon befΓΌrchtet, weiterhin danach suchen zu mΓΌssen oder sie online zu bestellen und dann an eine Packstation in Frankreich liefern zu lassen. Am Abend packten wir die Kamera im Apartment aus, machten sie startbereit und probierten sie gleich aus. Im Apartment nutzten wir auch die Gelegenheit, um unsere WΓ€sche zu waschen und uns zu duschen. Nico ordnete einige Videodateien an, wΓ€hrend Annkathrin fΓΌr ihren Arbeitgeber tΓ€tig war. Anschließend, nachdem Annkathrin ihren Blogbeitrag geschrieben hatte, bereiteten wir gemeinsam unser Abendessen zu. Am nΓ€chsten Tag begannen wir nach einem ausgiebigen FrΓΌhstΓΌck mit unserer Arbeit und setzten diese bis zum Mittag fort. Danach erkundeten wir die Stadt ohne unsere RΓ€der und nutzten den kostenlosen ΓΆffentlichen Nahverkehr. Zum Mittagessen kehrten wir in ein veganes Restaurant ein. Ohne Reservierung durften wir uns direkt hinsetzen und einen QR-Code scannen, der uns zur Speisekarte fΓΌhrte und mit unserer Tischnummer verknΓΌpft war. Über unsere Smartphones konnten wir passende Gerichte auswΓ€hlen und direkt bestellen, ohne Registrierung oder sonstige HΓΌrden. Wir entschieden uns fΓΌr pink gefΓ€rbte Burger mit Pommes und Salat. Die moderne Art der Bestellaufnahme beeindruckte uns sehr: Der Kellner

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Abenteuerliche Fahrt durch Belgien [#04]

Am 26. Tag unserer Reise tauchten wir richtig in Belgien ein. Der β€œSint Pietersberg” war der erste beeindruckende Berg, den wir auf dieser Tour erblickten. Noch ahnten wir nicht, welche Herausforderungen die nΓ€chsten Tage fΓΌr uns bereithalten wΓΌrden. Nach den flachen Landschaften und den großartigen Radwegen in den Niederlanden waren wir an eine gewisse Bequemlichkeit gewΓΆhnt. In Belgien sah das ganz anders aus. Mal fuhren wir auf einem schmalen Radstreifen entlang der Landstraße, mal mussten wir auf den Gehweg ausweichen, und manchmal hΓΆrte der Radweg einfach auf, sodass wir improvisieren mussten. Wir nΓ€herten uns LΓΌttich, die Zeit verging und es wurde immer spΓ€ter, doch unsere Motivation trieb uns weiter. Ab 18 Uhr fuhren wir durch diese lebendige Großstadt. Eigentlich hatten wir hier eine Zusage von einem Warmshowers-Host, doch dieser hatte kurzfristig abgesagt und unsere anderen Anfragen blieben unbeantwortet. Uns war also klar, dass wir LΓΌttich komplett durchqueren mussten. Entlang des Albertkanals fΓΌhrte unser Weg uns in die Innenstadt, wo wir uns kurz umsahen. Dann ΓΌberquerten wir den Kanal Richtung Osten und wurden sofort von den steilen Anstiegen ΓΌberrascht. Solche Berge hatten wir nicht erwartet. Es ging steil bergauf und wieder hinab, manchmal mussten wir sogar schieben. Zum GlΓΌck hatten wir ausreichend Wasser dabei, denn die Anstrengung war enorm. Nach einigen Stunden des KΓ€mpfens mit den HΓΆhenmetern fanden wir zufΓ€llig ein verlassenes GrundstΓΌck mit einem Lost-Place-GebΓ€ude darauf. Es schien ein perfekter Ort fΓΌr die Nacht zu sein, vor allem, weil die meisten Leute das Fußballspiel der Europameisterschaft verfolgten und am nΓ€chsten Tag zur Arbeit oder Schule mussten. Hier konnten wir endlich zur Ruhe kommen und uns auf die nΓ€chsten Abenteuer vorbereiten. Ungeplante Hitze: Wie wir Zuflucht auf einem Campingplatz fanden Wir fanden den Ort auf dem verlassenen GelΓ€nde so ideal, dass wir planten, dort einen Pausentag einzulegen. Doch ab Mittag wurde es extrem heiß. Die Temperaturen im Zelt stiegen weit ΓΌber 30 Grad Celsius (gemessen mit unserem Hygrometer), was die Situation ziemlich anstrengend machte. Ein positiver Aspekt war jedoch, dass unsere Solaranlagen bei dieser SonnenstΓ€rke hervorragend arbeiteten und unsere Powerbanks gut nachluden. Unser Wasservorrat ging jedoch zur Neige, sodass wir uns am frΓΌhen Nachmittag entschieden, weiterzuziehen. Der nΓ€chste Supermarkt war nur etwa 3 km entfernt. Nach einem kurzen Halt dort, um unsere VorrΓ€te aufzufΓΌllen, fuhren wir weitere 3 km, um spontan auf einem Campingplatz einzuchecken. Dieser lag in der NΓ€he eines wunderschΓΆnen Schlosses, das wohl als eine Art Jugendherberge diente. Am Empfang des Campingplatzes trafen wir auf Deutsche mit Wohnmobilen, unter anderem aus Hannover. Obwohl der Herr am Empfang kein Deutsch und nicht so gut Englisch sprach, verlief der Check-in schnell und einfach. Er wies uns persΓΆnlich einen ruhigen Zeltplatz zu. Zur Übernachtung gehΓΆrte auch ein kostenfreier Besuch im Freibad hinter dem Campingplatz, aber dieses war an dem Tag zu ΓΌberfΓΌllt. Die Ardennen erreichen Am 28. Tag schliefen wir entspannt aus – daran hatten wir uns auf dieser Reise gewΓΆhnt. Gegen 10:30 Uhr, nachdem wir alles zusammengebaut, auf den FahrrΓ€dern verstaut und gefrΓΌhstΓΌckt hatten, ging es weiter. Wir stellten uns auf weitere HΓΆhenmeter ein, die uns mit Sicherheit erwarteten. Doch diese Herausforderungen nahmen wir an, schließlich wollten wir daran wachsen, da uns im Laufe der nΓ€chsten Monate noch viel grâßere Berge erwarteten. Im Laufe des Tages kΓ€mpften wir uns bis auf 580 Meter ΓΌber dem Meeresspiegel. Das Beste daran war der Ausblick ΓΌber die ganzen TΓ€ler und DΓΆrfer sowie die Abfahrten, die wir mit Vorsicht genossen – insbesondere nach Annkathrins Sturz in den Niederlanden. Schließlich erreichten wir die Berge Ostbelgiens, genauer gesagt die Ardennen. Die Ardennen sind ein dicht bewaldetes Hochland, das sich ΓΌber Teile Belgiens, Luxemburgs und Frankreichs erstreckt. Bekannt fΓΌr ihre steilen HΓ€nge und tiefen TΓ€ler, bieten die Ardennen spektakulΓ€re Landschaften und sind ein beliebtes Ziel fΓΌr Outdoor-AktivitΓ€ten wie Wandern, Radfahren und Klettern. Die Region ist auch historisch bedeutsam, insbesondere durch die Ardennenoffensive im Zweiten Weltkrieg. Als wir auf der Straße bei Fischvenn fuhren, ΓΌberholten uns zahlreiche Mofas und Motorroller. Wir vermuteten, dass sie an einer Rallye teilnahmen. Von historischen und aufpolierten bis hin zu modernen motorisierten KleinkraftrΓ€dern – die Vielfalt war beeindruckend. Diese Fahrzeuge begegneten uns auch einige Kilometer weiter, als wir die Aussicht am Staudamm von Robertville genossen. Der Staudamm von Robertville ist ein beeindruckendes Bauwerk, das den Fluss Warche staut und den See von Robertville bildet. Der Stausee dient nicht nur der Wasserversorgung, sondern ist auch ein beliebtes Ausflugsziel fΓΌr Naturliebhaber. Auf dem Vennbahnradweg An Tag 29 landeten wir plΓΆtzlich auf dem Vennbahnradweg. Der Vennbahnradweg ist ein beeindruckender, etwa 125 Kilometer langer Fahrradweg, der entlang einer ehemaligen Eisenbahnstrecke von Aachen in Deutschland bis nach Troisvierges in Luxemburg verlΓ€uft. Er bietet eine einzigartige Kombination aus flachen Wegen und malerischen Landschaften, ideal fΓΌr Radfahrer. Die Wege verbesserten sich schlagartig und es ging oft bergab – eine Erleichterung, nachdem wir Tage und Stunden mit den Bergen in Nordost-Belgien gekΓ€mpft hatten. An einem Supermarkt fΓΌllten wir noch kurz unsere VorrΓ€te auf und hatten ein mulmiges GefΓΌhl. Es sollte nΓ€mlich ab 22 oder 23 Uhr gewittern und das kann im Zelt entweder ziemlich gefΓ€hrlich werden oder sehr nass. Nico fragte deshalb in einer Fahrradgruppe auf Telegram nach Rat und bekam schnell passende Antworten. Unser Ziel stand fest: eine GrillhΓΌtte, die uns als SchutzhΓΌtte dienen sollte. Auf den Bildern im Internet war zu sehen, dass sie groß genug war, damit unser Zelt hineinpasst. So fuhren wir weiter auf dem Vennbahnradweg und erreichten schließlich die HΓΌtte. Wir schauten uns um und waren begeistert. Doch es war auch zu lesen, dass das Objekt zu mieten war, und wir wollten keinen Γ„rger einhandeln. Im Internet fanden wir eine Telefonnummer und riefen an. Der Herr am Telefon konnte wunderbar Deutsch – das ist in Ostbelgien ganz normal, da die Menschen dort zweisprachig (FranzΓΆsisch und Deutsch) aufwachsen. Wir erklΓ€rten ihm, dass wir auf einer großen Radtour sind und am Abend ein schweres Gewitter kommen soll, weshalb wir Schutz benΓΆtigen. Der Herr, der das Objekt offensichtlich verwaltete, sah darin keine Probleme und sagte uns zu. Zudem hatten wir im Hinterkopf, dass unsere Powerbanks und Kameras kaum noch

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Annkathrin Kaßner und Nico Ladewig auf ihrer Radreise in Niederlande.

GrenzΓΌberschreitung und erste EindrΓΌcke in den Niederlanden [#03]

Gegen Nachmittag an Tag 19 erreichten wir die niederlΓ€ndische Grenze kurz hinter Gronau (Westfalen). Unser erster Ort in den Niederlanden war Glanerbrug. Die Freude war groß, endlich die erste Grenze auf unserer großen Reise ΓΌberquert zu haben. Auf gut ausgebauten Fahrradwegen ging es dann weiter durch Enschede, wo wir die Stadt erkundeten und die angenehme AtmosphΓ€re genossen. Eine Besonderheit in den Niederlanden ist, dass Fahrradfahren den gesamten Tag ΓΌber in der FußgΓ€ngerzone erlaubt ist. Dies machte unsere Fahrt durch Enschede und Hengelo besonders entspannt und angenehm. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, radelten wir einige Kilometer entlang des malerischen Tweetekanals, dessen ruhiges Wasser und grΓΌne Ufer uns eine schΓΆne Kulisse boten. Unsere Route fΓΌhrte uns ΓΌber die Schleuse in Delden, ein weiteres Highlight auf unserer Fahrt. Auf der Suche nach einem Schlafplatz stellten wir fest, dass wir nur wenige Minuten von einem Mini-Campingplatz auf einem Bauernhof entfernt waren. Diese glΓΌckliche FΓΌgung nutzten wir und kehrten dort ein, um die Nacht zu verbringen und neue Energie fΓΌr die kommenden Abenteuer zu tanken. Entlang des Twentekanals und bis nach Arnhem Am nΓ€chsten Tag setzten wir unsere Reise entlang des malerischen Twentekanals fort. Die gut ausgebauten Radwege und die friedliche Landschaft machten das Fahren besonders angenehm. Wir kamen am beeindruckenden Landgoed Weldam vorbei, einem großen Landgut mit weitlΓ€ufigen GΓ€rten und historischem Charme. Mit knurrenden MΓ€gen erreichten wir Diepenheim und legten dort einen Halt ein, um in einem Supermarkt unsere VorrΓ€te aufzufΓΌllen und anschließend BrΓΆtchen zu verzehren. Frisch gestΓ€rkt radelten wir weiter bis nach Lochem. Auf unserem Fahrtweg entdeckten wir unter anderem flauschige Schafe und HΓΌhner. Da Nico unser bereits fertig geschnittenes Reisevideo noch auf YouTube hochladen wollte, aber nicht genΓΌgend Strom dazu auf seinem Laptop zur VerfΓΌgung stand, radelten wir zu einer E-Bike-Ladestation. Das gute an E-Bike-Ladestationen ist, dass diese meist einen haushaltstypischen Stecker haben und diese oftmals auch kostenlos sind. An der Ladestation angekommen, packten wir außer Nicos Laptop noch einige andere elektronische GerΓ€te wie Powerbanks und Mikros aus und luden diese an der Station. Nico hatte sich direkt neben die Station auf den Boden gesetzt. Leider fing es kurz bevor das Video hochgeladen war wieder an zu nieseln. Annkathrin erinnerte sich daran, dass sie ihrem kleinen Taschenminischirm mit hat und holte diesen fix und gab ihn Nico um den Laptop vor dem Regen zu schΓΌtzen. Nachdem das Video ca. 1,5 Stunden spΓ€ter hochgeladen war und wir noch Thumbnails und Texte fΓΌr das Video erstellt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Wir wollten erstmal die geplante Route weiterfahren, allerdings bedachten wir nicht, dass wir einen Teil mit einer FΓ€hre ΓΌberqueren mussten. Als wir also kurz vor dem FΓ€hrenΓΌbergang waren, wies uns eine nette NiederlΓ€nderin daraufhin, dass die FΓ€hre heute nicht mehr fahren wΓΌrde, weil es bereits zu spΓ€t am Abend ist. Aus diesem Grund mussten wir einen Umweg fahren. Es wurde immer spΓ€ter und spΓ€ter und die Sonne war schon dabei unterzugehen, als wir endlich gegen 23 Uhr einen Schlafplatz nΓ€he Dieren fanden. Am nΓ€chsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur nΓ€chsten grâßeren Stadt: Arnhem. Die Innenstadt von Arnhem beeindruckte uns mit ihrer lebendigen AtmosphΓ€re und den vielen GeschΓ€ften und CafΓ©s. Wir erkundeten die Stadt mit unseren FahrrΓ€dern und ließen uns von der Vielfalt und dem Charme der Stadt begeistern. Auf dem Weg raus aus der Stadt fuhren wir in der NΓ€he eines Baches, wo wir eine Schar von GΓ€nsen auf einem Fußweg herumwatscheln sahen. Wir beobachten die GΓ€nse eine ganze Weile und liefen auf diese zu. Vor Angst liefen die GΓ€nse dann vor uns weg. Am Gelredome – eine Eventhalle – machten wir kurz Halt und Nico erinnerte sich an die Qlimax 2014. Beim Verlassen der Stadt entdeckten wir ein großes Outdoor-GeschΓ€ft. Neugierig gingen wir hinein und Nico kaufte sich einen NeoprenΓΌberzug, der eigentlich fΓΌr SchlΓ€uche gedacht war. Diesen schnitt er spΓ€ter zurecht und tauschte ihn gegen das alte, stinkende Schweißband in seinem Helm aus, da es zudem schon ziemlich auseinanderfiel. Nachdem die Arbeit erledigt war, setzten wir unsere Reise fort und verließen Arnhem. Ein stΓΌrmischer Tag nach Nijmegen Wir radelten nach Nijmegen und erkundeten die charmante Innenstadt, die uns mit ihrer historischen Architektur und lebendigen AtmosphΓ€re begeisterte. Doch die Zeit drΓ€ngte, und wir wollten unbedingt vor 21 Uhr einen Campingplatz erreichen. Annkathrin war erschΓΆpft und machte sich Sorgen, da sie meist etwas langsamer war und ihre Energie fast aufgebraucht war. Das GelΓ€nde wurde zunehmend hΓΌgeliger, was die Fahrt zusΓ€tzlich erschwerte. Bei einer besonders steilen Abfahrt hatte Annkathrin so viel Schwung, dass sie die Kante zwischen einem gepflasterten und geteerten Weg nicht mehr hochkam, daran entlangschΓΌrfte und schlussendlich hinfiel. Sie stΓΌrzte und verletzte sich am rechten Knie, das eine SchΓΌrfwunde davontrug. Ihre lange Sporthose war kaputt, und der Sonnenschutz des Fahrradhelms hatte sich in ihre Stirn gedrΓΌckt. GlΓΌcklicherweise verspΓΌrte sie keine Kopfschmerzen, aber ihre rechte Schulter schmerzte etwas. Nico, der bereits oben auf dem nΓ€chsten HΓΌgel angekommen war, sah den Unfall im RΓΌckspiegel. Sofort stieg er von seinem Fahrrad ab und eilte zu Annkathrin. Er half ihr auf, gemeinsam zogen sie die kaputte Hose aus und Nico verarztete sorgfΓ€ltig ihre Wunden und stellte ihr Fahrrad wieder auf, das außer ein paar Kratzern und einem verbogenen Griff nichts abbekommen hatte. Bevor sie beschlossen, ein paar Meter gemeinsam ihre RΓ€der zu schieben, zogen sie gemeinsam Annkathrin ihre weite Regenhose an. Nach etwa einem Kilometer setzten sie ihre Fahrt sehr langsam fort, immer mit dem Ziel, den Campingplatz zu erreichen. Am Campingplatz angekommen, stellten wir fest, dass die Rezeption nicht mehr besetzt war. Ein freundlicher deutscher Camper bemerkte unsere Situation und schlug vor, dass wir unser Zelt einfach an einer bestimmten Stelle aufstellen und am nΓ€chsten Tag zur Rezeption gehen sollten, um zu bezahlen. Dankbar folgten wir diesem Rat und errichteten unser Zelt. UnglΓΌcklicherweise befand sich der empfohlene Platz neben einigen Jugendlichen, die im Fußballfieber waren, die ganze Nacht ΓΌber laut feierten und sich gegenseitig Γ€rgerten. Am nΓ€chsten Tag beschlossen wir, einen Pausentag auf demselben Campingplatz einzulegen, um uns zu erholen. Wir zogen auf einen

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Annkathrin Kaßner und Nico Ladewig auf ihren letzten Kilometern in Deutschland.

Erlebnisse auf dem Fahrrad: Von Bremen bis zur niederlΓ€ndischen Grenze [#02]

Nachdem wir erfolgreich ein MSR Elixir 3 Zelt erworben hatten, gΓΆnnten wir uns einen kΓΆstlichen veganen DΓΆner in Bremen, der uns die nΓΆtige Energie fΓΌr die bevorstehenden Kilometer lieferte. Frisch gestΓ€rkt machten wir uns weiter auf den Weg, um bei einem 1NightTent-Host im Garten zu ΓΌbernachten. Der Gastgeber, ein begeisterter Radfahrer, erzΓ€hlte uns spannende Geschichten von seinen eigenen Abenteuern auf zwei RΓ€dern und zeigte uns seine beeindruckende Fahrradsammlung sowie seine alten Fahrradtaschen. Bei ihm durften wir auch frische Kirschen und Erdbeeren aus seinem Garten genießen, was unseren Aufenthalt umso angenehmer machte. Am nΓ€chsten Tag setzten wir unsere Fahrt in Richtung Dangast fort. Am Abend schlugen wir unser Zelt bei einem anderen 1NightTent-Host auf, der uns herzlich willkommen hieß und uns einen ruhigen Ort zum Ausruhen bot. Die Fahrt am nΓ€chsten Tag fΓΌhrte uns weiter durch die idyllischen Landschaften, wo wir die SchΓΆnheit der Region genießen konnten und uns auf die kommenden Abenteuer freuten. Wetterumschwung und der Bauernhof-Campingplatz PlΓΆtzlich schlug das Wetter um, und dunkle Wolken zogen auf. Im strΓΆmenden Regen fuhren wir weiter, wobei der Regen so stark wurde, dass wir kaum mehr als wenige Meter vor uns sehen konnten. Trotz unserer Regenjacken und Regenponchos waren unsere Kleidung und AusrΓΌstung durchnΓ€sst, als wir endlich einen abgelegenen Bauernhof-Campingplatz in der NΓ€he ansteuerten. Die fehlende Rezeption erschwerte unsere Ankunft bei der Verwaltung, doch mit einem Anruf wurde uns schließlich eine Stelle fΓΌr unser Zelt zugewiesen. Um genug Platz zum Trocknen der nassen Sachen zu schaffen, nutzten wir unser gesamtes Zelt, abgesehen von dem Bereich, der fΓΌr die Luftmatratze reserviert war. Nico erweiterte das Zelt außen mit einer Plane, die wir zuvor als Bodenplane fΓΌr unser altes Zelt genutzt hatten, um zusΓ€tzlichen Raum zu schaffen. Im Vorzelt unseres neuen Zeltes kochten wir mit unserem Campingkocher, wΓ€hrend draußen der Regen unablΓ€ssig auf das Dach prasselte. Diese Herausforderungen motivierten uns zusΓ€tzlich, fΓΌr die nΓ€chsten Tage eine gemΓΌtliche Ferienwohnung zu mieten, um uns wieder aufzuwΓ€rmen und unsere Sachen richtig zu trocknen. ZurΓΌck nach Varel und Videoarbeit In der Ferienwohnung in Varel begannen wir zunΓ€chst mit einer Bestandskontrolle, um festzustellen, welche unserer Sachen durch den Regen nass geworden waren. Anschließend wuschen wir die WΓ€sche und trockneten sie auf der Heizung, um alles wieder einsatzbereit zu machen. Danach sammelten wir alle Videodateien zusammen und arbeiteten weiter an unserem ersten Radreisevideo, das unsere Erlebnisse festhalten sollte. Am Abend trafen wir uns mit einem Bekannten von Nico, was der Hauptgrund fΓΌr unsere Reise nach Varel war. Gemeinsam ließen wir den Tag gemΓΌtlich ausklingen und tauschten uns ΓΌber unsere Abenteuer und Erlebnisse aus. Am nΓ€chsten Morgen hatten wir einen Telefontermin mit der Landeszeitung LΓΌneburg, um sie ΓΌber den aktuellen Stand unserer Reise zu informieren. Die Reporterin der LZ plante nΓ€mlich, jeden Monat einen sogenannten ‚Follow-Up-Bericht‘ ΓΌber uns zu verΓΆffentlichen. WΓ€hrend des Tages schnitten wir weiter an unserem Reisevideo und nutzten die Zeit, um uns auch etwas in Varel umzuschauen, bevor wir uns wieder auf den Sattel schwangen, um die nΓ€chsten Etappen unserer Fahrradweltreise anzutreten. Durch Bad Zwischenahn und seine SehenswΓΌrdigkeiten Am 13. Tag unserer Fahrradweltreise legten wir eine beeindruckende Strecke von 59,8 km zurΓΌck, von Varel bis in die NΓ€he von Friesoythe durch Bad Zwischenahn. Unterwegs entdeckten wir einige faszinierende SehenswΓΌrdigkeiten, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. Eine bemerkenswerte Entdeckung war die Tigerente am Bad Zwischenahner Meer – eine Holzbank in Form einer Ente, die von Kindern als KlettergerΓΌst genutzt wurde. Sie erinnerte uns an die beliebten Geschichten unserer Kindheit. Wir bewunderten auch eine imposante WindmΓΌhle, die majestΓ€tisch ΓΌber der Landschaft von Bad Zwischenahn thronte, sowie malerische FachwerkhΓ€user, die den Charme der Region unterstrichen. Besonders interessant war die Wels-Statue, die uns auf unserem Weg begegnete und unsere Neugier weckte. Auf dem Kleinbahnweg, einer ehemaligen Bahntrasse, die jetzt als Radweg dient, erlebten wir eine angenehm ebene Fahrt und genossen die Fahrt durch die Natur. Jede Station entlang unserer Route bot neue Entdeckungen und erinnerte uns an die Vielfalt und SchΓΆnheit der Natur und Kultur, die wir wΓ€hrend unserer Reise erleben durften. SchutzhΓΌtten und Waldabenteuer Am nΓ€chsten Tag radelten wir 32,9 km bei angenehmen 20 Grad Celsius durch eine malerische Landschaft. Unterwegs kamen wir an vielen SchutzhΓΌtten vorbei, die uns einladend empfingen. An einer dieser idyllischen RastplΓ€tze kochten wir Nudeln auf unserem Campingkocher und genossen dabei die Ruhe und Stille der umliegenden WΓ€lder. Die Nacht verbrachten wir in einer dieser SchutzhΓΌtten, eingehΓΌllt vom sanften Rauschen der BΓ€ume und dem Sternenhimmel ΓΌber uns. Es war ein friedlicher und erholsamer Abschluss eines ereignisreichen Tages auf unserer Fahrradweltreise. Durch den Naturpark HΓΌmmling nach Werlte Am 15. Tag unserer Fahrradweltreise durchquerten wir den malerischen Naturpark HΓΌmmling und legten dabei entspannte 36,3 km zurΓΌck. Die Route fΓΌhrte uns durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit dichten WΓ€ldern, weiten Feldern und idyllischen DΓΆrfern, die von der Ruhe und SchΓΆnheit der Natur geprΓ€gt waren. In Werlte machten wir Halt, um unsere VorrΓ€te aufzustocken und uns fΓΌr die weiteren Etappen vorzubereiten. Anschließend fuhren wir weiter zu unserem nΓ€chsten Ziel und schlugen unser Zelt bei einem weiteren 1nitetent-Host auf. Entlang des Dortmund-Ems-Kanals nach Lingen Am nΓ€chsten Tag setzten wir unsere Fahrradreise fort und radelten durch die malerische Stadt Meppen, bevor wir entlang des idyllischen Dortmund-Ems-Kanals nach Lingen (Ems) gelangten. Die Kanalufer boten eine ruhige und entspannte Strecke, wΓ€hrend wir die vorbeiziehende Landschaft und das sanfte PlΓ€tschern des Wassers genossen. In Meppen und Lingen (Ems) erkundeten wir die geschichtstrΓ€chtigen Straßen und PlΓ€tze, tauchten ein in das lokale Leben und bewunderten die Architektur der historischen GebΓ€ude. Es war eine Gelegenheit, die kulturellen Nuancen der Region zu erleben und uns mit ihrer Geschichte vertraut zu machen. Von Rheine bis zur niederlΓ€ndischen Grenze Am nΓ€chsten Morgen buchten wir eine Unterkunft ΓΌber Booking.com und machten uns auf den Weg nach Rheine. Dort angekommen, entluden wir unsere Taschen und brachten die FahrrΓ€der in unser Apartment. Nach einer erfrischenden Dusche machten wir uns daran, unsere WΓ€sche zu waschen, die dringend gereinigt werden musste. Nachdem die WΓ€sche gewaschen und zum Trocknen aufgehΓ€ngt war, machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Rheine hatte einiges zu bieten, und wir genossen es, durch

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Nico Ladewig und Annkathrin Kaßner auf ihrer großen Radreise: Erster Halt auf einem Campingplatz und die Paracord-WÀscheleine zwischen den FahrrÀdern.

Unser Radreise-Abenteuer ist gestartet [#01]

Wie es uns nach der SchlΓΌsselΓΌbergabe ging Etwas aufgeregt, neugierig zugleich und etwas erleichtert haben wir am 31.05.2024 unsere SchlΓΌssel fΓΌr unsere ca. 72mΒ² große Wohnung in LΓΌneburg abgegeben. Direkt nach der SchlΓΌsselΓΌbergabe kamen wir aus der Wohnung und standen erstmal im Starkregen. Aber auch dieser Regen konnte uns nicht viel anhaben. Wir wurden nass und mussten im Regen noch einige Taschen am Fahrrad befestigen. Nettweise hatte Nicos Mutter wΓ€hrend der SchlΓΌsselΓΌbergabe auf die RΓ€der und die Taschen aufgepasst. Nachdem alles am Fahrrad befestigt war verabschiedeten wir uns von Nicos Mutter und schwangen uns auf unsere RΓ€der. In diesem Moment begann fΓΌr uns unser großes Abenteuer. Wir radelten erstmal einige Meter, um uns bei einem Supermarkt FrΓΌhstΓΌck zu besorgen und stellten uns anschließend bei einer ΓΌberdachten Skateranlage unter, um dem Regen nicht ganz ausgesetzt zu sein. Kurz nach dem FrΓΌhstΓΌcken und einer spannenden ersten Unterhaltung mit einem Skater, hat es dann aufgehΓΆrt zu regnen. Kurz vor unserem Start der Reise hat uns jemand ΓΌber Social Media darauf aufmerksam gemacht, dass eine NΓ€mlichkeitsbescheinigung wichtig werden kΓΆnnte, wenn wir spΓ€ter GegenstΓ€nde zurΓΌckschicken mΓΆchten und keinen unnΓΆtigen Zoll bezahlen mΓΆchten. Aus diesem Grund radelten wir als nΓ€chstes zum Zoll in LΓΌneburg um uns dahingehend vor Ort zu erkundigen. Kurze Zeit spΓ€ter hatten wir die NΓ€mlichkeitsbescheinigung in den HΓ€nden und es ging weiter in Richtung Elbe-Seiten-Kanal. Am Kanal entspannten wir uns etwas lΓ€nger unter einer KanalbrΓΌcke. Wir mussten runterkommen. Am Abend zuvor hatten wir um 16:30 Uhr begonnen die Wohnung zu putzen und freizurΓ€umen bis ca. 1 Uhr in der Nacht. Dabei half uns netterweise Nicos Mutter. Damit aber nicht genug. Um 6:30 Uhr morgens klingelte unser Wecker und von da an putzen wir weiter die Wohnung und rΓ€umten diese weiter aus. Gegen 8 Uhr kam Nicos Mutter nochmal und half uns bei den letzten Sachen. Aus diesem Grund waren wir erschΓΆpft, etwas mΓΌde und das Wetter wollte uns wohl auch auf eine Probe stellen. Nach einer lΓ€ngeren Pause, radelten wir noch etwas am Kanal entlang und fanden passend zur untergehenden Sonne ein nettes PlΓ€tzchen zum Entspannen und spΓ€ter zum Zelt aufschlagen. Das Entspannen an diesem Tag tat uns gut. Wir hatten in dem Moment beide noch nicht ganz realisiert, dass nun ein neuer aufregender Lebensabschnitt beginnt, weil es sich zu dem Zeitpunkt noch unrealistisch fΓΌr uns angefΓΌhlt hat. Wir genossen einfach die Ruhe und die Zeit fΓΌr uns und freuten uns auf den nΓ€chsten Tag. Wie wir unseren ersten Tag verbrachten Am nΓ€chsten Tag – unser offizieller Tag 1 unserer großen Reise – radelten wir morgens, ohne gefrΓΌhstΓΌckt zu haben, bis nach Hohnstorf (Elbe). Dort besorgten wir uns etwas zum FrΓΌhstΓΌcken. Anschließend ging es ΓΌber die BrΓΌcken nach Lauenburg (Elbe). Dort besuchten wir ein paar Verwandte von Nico und verabschiedeten uns nochmals von ihnen.Β  Danach holten wir Nicos Bruder Lutz und seinen Hund Alfred ab, die uns an diesem Tag begleiteten. Gemeinsam fuhren wir ΓΌber die BrΓΌcken zurΓΌck zum Elbe-Seiten-Kanal und weiter in Richtung LΓΌneburger Heide. Unterwegs trafen wir Nicos Vater, quatschten eine Weile und verabschiedeten uns dann von ihm. Nach einigen weiteren Kilometern bereiteten wir unser Abendessen zu und suchten uns einen Schlafplatz fΓΌr die Nacht. Am nΓ€chsten Morgen schliefen wir entspannt aus. Nach dem gemeinsamen FrΓΌhstΓΌck verabschiedeten wir uns von Lutz und Alfred. Ab diesem Zeitpunkt setzten wir unsere Reise alleine fort.Β  Einige Meter nach der Verabschiedung von den beiden wurden wir bereits auf unsere vollgepackten RΓ€der angesprochen. Ein Ehepaar auf E-Bikes war neugierig und wir unterhielten uns kurz, bis sich unsere Wege trennten.Β  So ging unsere Reise weiter Der zweite Tag war mit maximal 19,5Β°C sehr angenehm. Wir legten 30 km zurΓΌck. An Tag 3 radelten wir weiter durch die LΓΌneburger Heide und genossen den Anblick der ersten HeideflΓ€chen. Ein herrlicher Anblick! Wir testeten unsere neue Kameratechnik, indem wir unsere Insta360 auf einen 3-Meter-Stab montierten. Leider stellten wir ein paar Tage spΓ€ter am Laptop fest, dass die Aufnahmen unbrauchbar waren, da wir die QualitΓ€t zu niedrig eingestellt hatten. Gegen Abend hielt eine Frau mit ihrem Pkw am Straßenrand an, wΓ€hrend wir in einem RasthΓ€uschen gerade unser Abendbrot beendet hatten, ZΓ€hne putzten und uns auf den Weiterweg vorbereiteten. Sie bot uns ihre Gastfreundschaft an, die wir dankbar annahmen. Wow, erst Tag 3 und schon die erste Einladung, dachten wir uns. Wir radelten die ca. 5 km zurΓΌck, die wir vor dem Abendbrot bereits geradelt waren, und bauten bei ihr im Garten unser Zelt auf. Im GesprΓ€ch erfuhren wir, dass sie selbst Radfahrerin ist und bereits eine große Radreise unternommen hatte. In der Nacht zu Tag 4 ging es Nico plΓΆtzlich schlecht. Wegen RΓΌckenschmerzen konnte er nicht mehr liegen und ging aus dem Zelt, um es mit Medikamenten zu versuchen. Diese fΓΌhrten jedoch zu Übelkeit, die ihm zusΓ€tzlich zu schaffen machte. Es war fΓΌr ihn eine lange und unangenehme Nacht, weshalb wir uns am Morgen entschlossen, unsere Gastgeberin um das Angebot zu bitten, in einem ihrer Zimmer zu schlafen. GlΓΌcklicherweise stimmte sie zu. Wir packten das Wichtigste und brachten es in das Zimmer, ließen das Zelt jedoch stehen. Den Tag verbrachten wir hauptsΓ€chlich im Zimmer. Nico schlief immer wieder 1-2 Stunden, um dann fΓΌr ein paar Minuten mit unangenehmen GefΓΌhlen wach zu liegen, bevor er wieder einschlief. Tag 4 wurde somit zwangslΓ€ufig unser erster Pausentag. Richtig blΓΆd, dass so etwas schon so frΓΌh auf unserer Reise passierte. Aber die Beschwerden hatte er schon zwei Wochen vorher und sie kamen zum GlΓΌck nicht von den Einstellungen am Rad. An Tag 5 ging es Nico etwas besser. Wir hatten ein schlechtes Gewissen, dass wir die Gastfreundschaft unserer Gastgeberin so lange in Anspruch genommen hatten und wollten weiterziehen. So entschieden wir uns, wenige Kilometer weiter zu einem Campingplatz zu fahren. Dort bauten wir unser Zelt auf, kochten etwas Leckeres, und Nico versuchte es erneut mit den Medikamenten, die endlich Wirkung zeigten. Ihm ging es deutlich besser. Wir wuschen unsere dreckigen Klamotten im Waschbecken, hΓ€ngten sie zum Trocknen auf Leinen (Paracord), die wir zwischen unsere FahrrΓ€der und BΓΌsche spannten – zum GlΓΌck war das Wetter

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Foto von unserem Mini-Flohmarkt

Sparen und EntrΓΌmpeln fΓΌr die Freiheit

Willkommen zu unserem ersten Blogbeitrag! Wenn du mehr ΓΌber uns erfahren mΓΆchtest, klicke hier. In diesem Beitrag dreht sich alles um das Thema EntrΓΌmpeln und wie wir Geld fΓΌr unsere Weltreise gespart haben. Leider haben wir nicht genau festgehalten, wie viel Geld wir durch diese Aktionen eingenommen haben, dennoch finden wir es wichtig, unsere Erfahrungen zu teilen. Wir haben unsere Wohnungsausstattung bewusst minimalistisch gehalten, da wir schon beim Einzug wussten, dass wir irgendwann auf Weltreise gehen wΓΌrden. So haben wir ΓΌber Kleinanzeigen oder von Verwandten einige MΓΆbelstΓΌcke wie Sofa, KΓΌchentisch und Bett erhalten. Außer unserem Urlaub in Lissabon haben wir keine teuren Reisen unternommen. Als wir den Zeitpunkt fΓΌr den Start unserer Weltreise festlegten, begannen wir darΓΌber nachzudenken, wie viel Geld wir dafΓΌr benΓΆtigen wΓΌrden. Diese SchΓ€tzung gestaltete sich als schwierig, da die Kosten von Person zu Person variieren kΓΆnnen und auch davon abhΓ€ngen, wie luxuriΓΆs oder minimalistisch man unterwegs sein mΓΆchte. Von anderen Reisenden erfuhren wir, dass man etwa 15 € pro Person und Tag benΓΆtigt, um Γ€hnlich zu reisen, wie wir es planen – mit gΓΌnstigen SupermarkteinkΓ€ufen, Wildcampen und dem Besuch von preisgΓΌnstigen LΓ€ndern. Der grâßte Kostenpunkt sind wahrscheinlich die Visa fΓΌr LΓ€nder außerhalb der EU. Das bedeutet, dass wir zusammen aufgerundet etwa 11.000 € pro Jahr benΓΆtigen wΓΌrden. Dank unserer festen Jobs konnten wir bereits einen betrΓ€chtlichen Betrag sparen. Der Trick bestand darin, weniger auszugeben, als wir verdienten. Unsere monatliche Miete fΓΌr unsere Zweizimmerwohnung in LΓΌneburg betrug 900 €, was pro Person 450 € ausmachte. Wir gingen selten aus, hatten keine Kredite oder teuren RatenkΓ€ufe und besaßen kein Auto, was regelmÀßige Ausgaben fΓΌr Anschaffung, Treibstoff, Versicherung, Wartung, Steuern, ParkgebΓΌhren und Wertverlust verursacht hΓ€tte. Stattdessen nutzten wir hauptsΓ€chlich Fahrrad oder ΓΆffentliche Verkehrsmittel und griffen alle 1-2 Monate auf regionale Carsharing-Angebote zurΓΌck. Wir verkauften gebrauchte GegenstΓ€nde bei eBay, nach dem Motto „Warum sollten Dinge herumliegen und verstauben, wenn jemand anders sie nutzen kΓΆnnte?“ Im Jahr 2023 verΓ€ußerten wir bereits eine Vielzahl von GegenstΓ€nden auf eBay, darunter unser „DURST ?“-Schild, Kleidung, Nicos analoge Spiegelreflexkameras, seine digitale Systemkamera, Objektive, KamerazubehΓΆr, unsere alte Sommer-CampingausrΓΌstung, Schallplatten, BΓΌcher und Druckerpatronen. Sein zwei Jahre altes E-Klapprad fand im September ΓΌber Kleinanzeigen einen neuen Besitzer. Nebenbei bediente Nico Kunden ΓΌber sein Kleingewerbe im Bereich Mediengestaltung, wo er unter anderem Website-Inhalte und Inhalte eines Fußball-Magazins aktualisierte sowie AushΓ€nge gestaltete. Einige Einnahmen erzielte er auch „passiv“ durch T-Shirt-Designs und den automatischen Verkauf von Vektorgrafiken. Es war uns wichtig, unsere Freunde und Verwandten mΓΆglichst rechtzeitig ΓΌber unsere PlΓ€ne zu informieren und sie zu bitten, uns zu Feiertagen oder besonderen AnlΓ€ssen nichts oder hΓΆchstens eine finanzielle Spende zu schenken. So konnten wir sicherstellen, dass sich nicht noch mehr GegenstΓ€nde ansammeln. Etwa 8 Monate vor unserer Abreise entschieden wir uns, noch aktiver auf Kleinanzeigen und eBay zu sein, um bessere Chancen zu haben, unsere GegenstΓ€nde zu fairen Preisen zu verkaufen. Wir stellten nach und nach mehr ein und erhielten hin und wieder Besuch von Interessenten. Große MΓΆbelstΓΌcke bereiteten uns Sorgen, da wir im 3. Stock wohnten, keinen Aufzug hatten und auch im Innenhof viele Treppenstufen zu ΓΌberwinden waren – fΓΌr potenzielle KΓ€ufer mΓΆglicherweise zu aufwendig. Unser KΓΌchentisch, StΓΌhle und unser selbstgebauter 2-Meter-Schreibtisch landeten leider Ende April auf dem SperrmΓΌll. GlΓΌcklicherweise fanden unser Kleiderschrank, Kommoden, Flurgarderobe, Schuhschrank, der gemΓΌtliche Ohrensessel mit Hocker, unser Sofa und unsere alten FahrrΓ€der neue Besitzer. WΓ€hrend dieser Aktion wurde uns klar, dass unsere Wertvorstellungen teilweise unrealistisch waren. Vieles, von dem wir dachten, dass es einen guten Preis erzielen wΓΌrde, entpuppte sich am Ende als weniger wertvoll als gedacht. Einige GegenstΓ€nde stellten wir schließlich kostenlos zur Abholung bereit. Hierbei ist es wichtig, den Wert der eigenen Lebenszeit abzuwΓ€gen, ob es sich lohnt, dass der Gegenstand ein neues Zuhause findet oder ob man ihn einfach entsorgt. Wir empfehlen anderen, die Γ€hnliche PlΓ€ne haben, frΓΌhzeitig mit dem Ausmisten zu beginnen. Wenn man frΓΌhzeitig beginnt, kann man mΓΆglicherweise bessere Preise erzielen und ist nicht unter Zeitdruck, die GegenstΓ€nde schnell verkaufen zu mΓΌssen. Außerdem haben wir einen Teil unserer Scham abgelegt und haben uns manchmal nach Pfanddosen oder -flaschen gebΓΌckt. Auch schauten wir in sogenannte „Fairteiler-HΓ€uschen“, wo in der Regel ein Regal und ein KΓΌhlschrank stehen und jeder Lebensmittel oder gebrauchte GegenstΓ€nde einstellen oder entnehmen darf. Unser Kleiderschrank war am schnellsten weg. An einem Sonntagmorgen inseriert, wurde er noch am selben Tag von zwei netten Herren abgebaut, runtergetragen und abtransportiert. Es gab keine Verhandlungen, der angegebene Preis wurde bezahlt. Als wir vieles verkauft hatten, bemerkten wir, dass wir immer noch viel Zeug ΓΌbrig hatten. Bei unserer familiΓ€ren Abschiedsparty, die mit einem Picknick im LΓΌneburger Kurpark verbunden war, beschenkten wir unsere GΓ€ste. Wir verwandelten alte Schallplatten, die wir nicht verkauft bekamen, in SchΓΌsseln, fΓΌllten sie mit veganen Bonbons und einem Foto von uns und stellten sie unseren GΓ€sten zur VerfΓΌgung. Zudem boten wir eine Art Mini-Flohmarkt an, bei dem sich jeder gratis bedienen konnte. Auf diese Weise konnten wir ΓΌberflΓΌssige Lebensmittel, Steckdosenleisten, unseren Handstaubsauger, Hygrometer, selbstgemalte Acryl-Pouring-Bilder und unbenutzte GeschirrhandtΓΌcher loswerden. Zu unserem Abschiedsparty-Picknick war es uns wichtig, dass nicht alles von uns selbst besorgt wurde, sondern jeder Gast etwas Passendes mitbrachte. Dadurch konnten wir auch hier ein paar Euros sparen – und das hat wunderbar geklappt. Es blieb sogar einiges ΓΌbrig, was sich manche GΓ€ste mitnehmen konnten (so konnten wir auch schon mal zwei Brotdosen loswerden), und wir konnten uns am Tag danach ein leckeres Mittagessen aufwΓ€rmen. Trotz allem blieb noch einiges ΓΌbrig, was wir in eine große Kiste packten, darauf „Zu verschenken“ schrieben und hinter dem Eingang des Mehrfamilienhauses stellten – eine Methode, die auch einige unserer Nachbarn angewandt hatten. Zum Schluss landeten viele GegenstΓ€nde im Altkleider- oder Altpapiercontainer. BΓΌcher brachten wir in „BΓΌcherhΓ€uschen“, alte MΓΌnzen zum MΓΌnzhΓ€ndler und gute Kleidung spendeten wir. Da wir unsere Wohnung fristgerecht 3 Monate vor dem Auszug gekΓΌndigt haben, hatten unsere Vermieter ausreichend Zeit, neue Mieter zu finden. Wir konnten mit den Vermietern und neuen Mietern vereinbaren, dass wir die Thermogardinen an der Westseite und die Plissees an der Ostseite der Wohnung zu einem fairen Preis hinterlassen konnten. NatΓΌrlich haben wir zwischendurch auch unnΓΆtige

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