Bonjour France: Mit dem Fahrrad ΓΌber die Grenze [#06]
Kurz nach der Grenze hΓΆrte der Bahntrassen-Radweg abrupt auf. Der erste HΓΌgel lieΓ nicht lange auf sich warten, und wir mussten mΓΌhsam in unseren ersten GΓ€ngen hinaufstrampeln. Auf dem Weg fΓΌllten wir unsere Wasserflaschen an WasserhΓ€hnen auf FriedhΓΆfen auf β ein Geheimtipp unter Radreisenden, besonders wenn der nΓ€chste Supermarkt zu weit entfernt ist oder die GeschΓ€fte geschlossen sind. FriedhΓΆfe bieten oft trinkbares Leitungswasser. Zwischendurch endeten die Fahrradwege Γ€hnlich wie in Belgien plΓΆtzlich, und wir fanden uns auf LandstraΓen zwischen schnell fahrenden PKWs und tonnenschweren LKWs wieder. Annkathrin sah sogar, wie ein Auto auf der Gegenfahrbahn ein Autoteil verlor. Wir fuhren weitere 14,9 Kilometer von der Grenze entfernt, bis wir einen geeigneten Platz fanden, um unser Zelt aufzuschlagen. Doch wir warteten bis zur DΓ€mmerung mit dem Zeltaufbau und nutzten die Zeit auf unseren CampingstΓΌhlen, um an unseren Smartphones ein YouTube-Shortvideo und mehrere BlogbeitrΓ€ge zu bearbeiten. Ein Tag voller HΓΆhen und Tiefen Am Tag danach schliefen wir bis ungefΓ€hr 9:15 Uhr aus. Die VΓΆgel zwitscherten wieder voll motiviert, eine KrΓ€he krΓ€chzte oben im Baum und ein paar Fahrzeuge rauschten auf der StraΓe in der NΓ€he vorbei. Die Sonne war auch schon da und schien durch die ganzen BlΓ€tter der BΓ€ume, denn es sollte ein warmer Tag werden. Diesen gingen wir ruhig an. Bevor wir uns daran machten, das Zelt abzubauen, bauten wir erstmal die CampingstΓΌhle wieder auf und aΓen etwas zum FrΓΌhstΓΌck. Dann ging es weiter. An Tag 39 brachten wir entspannte 26,4 Kilometer hinter uns. Es war heute mit bis zu 33,6 Β°C etwas wΓ€rmer, deshalb mussten wir viel trinken und zwischendurch Pause machen. Gegen Mittag hatten wir mit einigen HΓΆhenmetern zu kΓ€mpfen, mussten ein paar steile Berge hinaufschieben und wurden mit tollen Aussichten belohnt. Um 14:15 Uhr machten wir an einer Kirche in einem Dorf Halt, um uns im Schatten der groΓen BΓ€ume auszuruhen. Zu unserer Begeisterung fanden wir mehrere Steckdosen, die an der AuΓenseite der Kirche angebracht waren, und nutzten die Gelegenheit, um unsere Powerbanks nachzuladen. Wir nutzten die Zeit auch, um unsere Laptops auszupacken, einen Blogbeitrag zu erstellen und an einem YouTube-Video zu arbeiten. Auf unseren Smartphones hatten wir gesehen, dass uns gegen 19 Uhr ein Gewitter erreichen sollte, deshalb fuhren wir gegen 16:30 weiter und schauten nebenbei schon mal nach passenden UnterstΓ€nden. Gegen 17:25 Uhr fΓΌllten wir erneut unsere WasservorrΓ€te auf einem Friedhof auf. PlΓΆtzlich landeten wir am Ardennes-Kanal. Der Ardennes-Kanal ist ein beeindruckendes GewΓ€sser, das sich durch die hΓΌgelige Landschaft der Ardennen schlΓ€ngelt und ein beliebtes Ziel fΓΌr Radfahrer und Wanderer ist. Das freute uns sehr, da wir es neben dem Kanal angenehm zu fahren hatten: die Wege waren geteert und es gab keine starken Steigungen. NΓ€he des Kanals fanden wir schnell einen passenden Unterstand β eine Art Garage, die mal angefangen wurde und nie zu Ende gebaut wurde und wahrscheinlich schon wenige Jahre so dort stand, denn das kleine GrundstΓΌck war ziemlichmi zugewuchert. Der Garagenrohbau hatte zwei ganze und eine halbe Wand sowie ein Metalldach. Hier schoben wir unsere FahrrΓ€der in die Ecke, wo eine ganze und die halbe Wand aufeinandertrafen, und kochten uns etwas Leckeres zu essen. Erst gab es Spaghetti mit Tomatensauce und dann gΓΆnnten wir uns noch jeweils einen Pappbecher Chinanudeln. WΓ€hrenddessen schΓΌtteten die Wolken drauΓen ΓΆfter mal einige Regenschauer ab. Das Dach hielt dicht und wir blieben trocken. Am Ardennes-Kanal entlang Morgens radelten wir nach einem kurzen FrΓΌhstΓΌck weiter. Anfangs regnete es noch etwas, dann kam die Sonne wieder heraus, und das anfangs immer mal wieder im Wechsel. Wir radelten knapp 40 km am Ardennes-Kanal entlang. In Nouvion-sur-Meuse kauften wir ein und kamen kurz danach mit einem anderen Radreisenden ins GesprΓ€ch. Dieser kam aus Paris und wollte nach Luxemburg City radeln. Er berichtete auch, dass er bereits einmal fΓΌr achtzehn Tage den Jakobsweg entlang geradelt war. Der Radreisende konnte allerdings wenig Englisch und sonst nur FranzΓΆsisch, was die Kommunikation etwas erschwerte. Am Ardennes-Kanal fuhren wir an diversen Schleusen vorbei, die teilweise nur wenige hundert Meter voneinander entfernt waren. Auf dem Fahrradweg neben dem Kanal mussten wir plΓΆtzlich halten, weil ein Baum umgekippt und den Weg versperrt hatte. Drei Kinder versuchten bereits, diesen mithilfe einer Multifunktionsschaufel mit SΓ€ge kleinzusΓ€gen. Wir halfen ihnen dann, indem Nico unsere SΓ€ge herausholte und den etwa zehn Zentimeter dicken Baum mΓΌhelos durchsΓ€gte. Die beiden Jungs zogen anschlieΓend die beiden BaumhΓ€lften an den Wegesrand und der Rest half dabei, die Γste an den Wegesrand zu legen. Die Kinder sprachen kein Englisch und trotzdem haben wir gemeinsam die Herausforderung gemeistert. Kurze Zeit spΓ€ter fanden wir ein Bootswrack an dem Ort, wo frΓΌher einmal La Porte Hachan war, eine historische Schleuse am Kanal. Dann radelten wir noch etwas durch eine Stadt und fΓΌllten unsere TrinkvorrΓ€te auf einem Friedhof bei einer charmanten Kirche in Tagnon auf. Kurz bevor wir die 58,4 km voll machten, begannen wir auf Schlafplatzsuche zu gehen. Wir fanden zuerst zwar einen Platz, entschieden uns dann aber aus bestimmten GrΓΌnden weiterzuziehen. Kurze Zeit spΓ€ter erblickten wir einen wunderschΓΆnen Garten mit GΓ€nsen, HΓΌhnern und einem Teich. Ein Ehepaar (zwischen 50 und 60) und deren Sohn (vermutlich Anfang/Mitte 20) waren gerade dort und fragten, ob sie uns helfen kΓΆnnten. Das Ehepaar konnte kein Englisch, aber deren Sohn konnte etwas ΓΌbersetzen. Wir antworteten, dass wir auf der Suche nach einem Schlafplatz sind, wo wir unser Zelt aufschlagen kΓΆnnten. Voller Begeisterung boten sie uns an, das Zelt auf einem frei wΓ€hlbaren Ort auf deren GrundstΓΌck zu errichten. Wir kamen auch noch ein wenig ins GesprΓ€ch und dann verabschiedeten wir uns mit βbonne nuit.β Morgens, an Tag 41, standen wir gegen 9 Uhr auf. Wir packten langsam alles zusammen und lieΓen die AuΓen- und Bodenplane in der Sonne trocknen. Danach fuhren wir zur BΓ€ckerei (hier βBoulangerieβ genannt) und kauften uns ein franzΓΆsisches Baguette. Wir machten Halt an der Kirche im Ort, aΓen das Baguette mit der restlichen Marmelade und putzten unsere ZΓ€hne. PlΓΆtzlich bemerkte Nico ein Ei im Gras vor einem Baum bei der Kirche. Vorsichtig hob er es mit einem KΓΌchenhandtuch auf und legte es abseits des Weges. Wir vermuteten, dass
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