Mit dem Fahrrad nach Buenos Aires [#42]
Nach unserer FΓ€hre von Montevideo nach Buenos Aires begann ein neuer Abschnitt unserer Reise. Schon beim Γberqueren fiel uns auf, dass die Preise in Argentinien an SupermΓ€rkten deutlich gΓΌnstiger waren als in Uruguay, obwohl Argentinien fΓΌr uns zu Beginn schon relativ teuer wirkte. Im Vergleich mit Uruguay war es allerdings immer noch moderat β ein wichtiger Punkt fΓΌr alle, die planen, spΓ€ter einzelne LΓ€nder in SΓΌdamerika zu bereisen. Auf dem Weg durch Uruguay, von Cabo Polonio zurΓΌck Richtung Montevideo, hatten wir einen Radreisenden kennengelernt, der normalerweise in Buenos Aires lebt und gerade auf Urlaub war. Er bot uns an, bei ihm zu ΓΌbernachten, wenn wir einmal in der Stadt wΓ€ren β ein Angebot, das wir gerne annahmen. So fanden wir uns fΓΌr neun NΓ€chte in einem eigenen GΓ€stezimmer wieder, konnten unsere FahrrΓ€der sicher abstellen und lernten Buenos Aires aus der Perspektive eines Einheimischen kennen. Durch unseren Gastgeber und einen seiner Freunde, den wir dort kennenlernten, wurde die Zeit besonders angenehm und kommunikativ, da wir auf Englisch sprechen konnten und viele Tipps bekamen, was wir uns in der Stadt ansehen sollten. Parks und Ruhe in der Metropole Unser erster Eindruck von Buenos Aires war geprΓ€gt von seinen vielen grΓΌnen Orten, die oft einen ruhigen Kontrast zum GroΓstadttrubel boten. Schon frΓΌh zog es uns in den Botanischen Garten βCarlos Thaysβ, der im Norden der Stadt im Stadtteil Palermo liegt.Β Dieser Garten, der seit dem spΓ€ten 19.β―Jahrhundert existiert, beeindruckte uns durch seine ΓΌppige Pflanzenvielfalt, seine bunten Beete und die Kombination aus Natur und kunstvoll gestalteten Wegen. Beim Schlendern zwischen alten BΓ€umen, exotischen GewΓ€chsen und kleinen Pavillons hatten wir oft das GefΓΌhl, weit weg von einer Millionenmetropole zu sein. Die AtmosphΓ€re dort war ruhig, fast meditativ, und man spΓΌrte, wie wichtig solche Orte fΓΌr das LebensgefΓΌhl in dieser riesigen Stadt sind. Einen ganz anderen, aber ebenso eindrucksvollen Eindruck hinterlieΓ der Ecoparque Buenos Aires, der ehemalige Zoo. Einst beherbergte der Zoo Tiere aus aller Welt, heute steht der Park als Teil eines ΓΆkologischen Projekts, das Landschaft, Geschichte und Umweltbildung verbindet. Die weitlΓ€ufigen Wege, alten GebΓ€ude und offenen Bereiche machen den Besuch interessant, auch wenn uns bewusst wurde, wie unterschiedlich die Vorstellungen ΓΌber Tierhaltung und LebensrΓ€ume sein kΓΆnnen. Der Park ist ein groΓer Raum, in dem sowohl Natur als auch die Geschichte des Ortes selbst spΓΌrbar wird β ein Ort, der zum Nachdenken anregt, aber auch einfach zum Weiterlaufen und Beobachten einlΓ€dt. Das Planetarium von Buenos Aires bewunderten wir von auΓen, fasziniert von seiner futuristischen Architektur und der Vorstellung, was fΓΌr ein anderes Universum sich dahinter verbergen kΓΆnnte. Schon der Anblick allein machte Lust darauf, irgendwann einmal eine Vorstellung zu besuchen. Chinatown β Fest und Farben Ein besonders lebendiger Ausflug fΓΌhrte uns nach Chinatown, und zwar genau zu einem Zeitpunkt, als dort ein Neujahrsfest stattfand. Γberall waren Menschen unterwegs, kleine StΓ€nde mit asiatischen SpezialitΓ€ten und Produkten sΓ€umten die StraΓe, und die Stimmung war bunt, lebhaft und ein bisschen fremd zugleich β ohne dabei ΓΌbertrieben oder inszeniert zu sein. DrachenkostΓΌme und Dekorationen schufen ein ganz besonderes Flair, das wir so nicht erwartet hatten, und wir fanden es interessant, diese Vielfalt mitten in einer sΓΌdamerikanischen GroΓstadt zu erleben. La Boca β bunt, touristisch und die ColΓ³n-Fabrik Einer der Orte, auf den wir uns sehr freuten, war La Boca β ein Stadtteil, der auf vielen Postkarten zu sehen ist und den man sofort mit Buenos Aires verbindet. Schon beim Hineinkommen fiel uns auf, wie bunt dieser Ort ist: HΓ€userfassaden in krΓ€ftigen Farben, Ecken mit KunststΓ€nden, die ihre Werke entlang der StraΓen zeigten, und ΓΌberall kleine Details, die diesen Stadtteil einzigartig machen. Die bunten Fassaden hatten zum Teil Plastiken und Kunstobjekte, die aus den WΓ€nden herausblickten, und alles wirkte, als sei es gezielt dafΓΌr geschaffen worden, den Blick anzuziehen. Trotzdem muss man sagen, dass La Boca stark touristisch geprΓ€gt ist. Γberall reihten sich Souvenirshops an Restaurants, und wenn man nicht allein an den klassischen Fotospots interessiert ist, sondern echtes, alltΓ€gliches Stadtleben sehen mΓΆchte, wirkt der Stadtteil teilweise eher wie ein Thema fΓΌr Besucher als wie ein lebendiger, authentischer Teil der Stadt. In der NΓ€he von La Boca befindet sich die ColΓ³nβFabrik, eine Ausstellung, die zur weltberΓΌhmten Teatro ColΓ³n gehΓΆrt. Hier konnten wir uns die riesigen, historischen BΓΌhnenbilder ansehen β pompΓΆs, luxuriΓΆs und mit einer Detailverliebtheit, die kaum vorstellbar ist, wenn man nicht davor steht. Die Kulissen sind wirklich beeindruckend: riesige, reich verzierte Szenerien, die zeigen, wie aufwendig und groΓ die Produktionen des Teatro ColΓ³n einst waren. Auch wenn der Eintritt etwas kostete, hat sich dieser Besuch fΓΌr uns absolut gelohnt, weil man auf diese Weise einen Blick hinter die Kulissen eines der berΓΌhmtesten OpernhΓ€user der Welt erhΓ€lt. Tigre β Wasserwege und Leben am Delta Zum Abschluss unserer BuenosβAiresβZeit fΓΌhrte uns ein Tagesausflug nach Tigre, einem Ort nΓΆrdlich der Stadt am Delta des ParanΓ‘βFlusses. Tigre wirkt mehr wie ein System aus KanΓ€len denn wie eine klassische Stadt: HΓ€user stehen direkt am Wasser, kleine Stege fΓΌhren von einem Bereich zum nΓ€chsten, und Boote ersetzen vielerorts die Fahrzeuge auf den StraΓen. Wir machten eine Bootstour durch die Wasserwege und sahen, wie Menschen hier ganz selbstverstΓ€ndlich Boote nutzen, um zur Arbeit zu kommen, an kleinen MΓ€rkten zu handeln oder GΓ€ste zu empfangen. Die ruhige Bewegung des Wassers, die Spiegelungen der HΓΌtten und GΓ€rten im Fluss und das leise PlΓ€tschern unter dem Rumpf unseres Bootes machten diesen Ausflug zu einem sehr entspannten, aber dennoch eindrucksvollen Erlebnis β ein ganz anderes Gesicht der Region, weg vom GroΓstadtlΓ€rm, hin zu einer eher mediterranβinsularen AtmosphΓ€re. Wieder Richtung Europa Irgendwann stand fΓΌr uns auch wieder eine grΓΆΓere Reise an: Wir wollten zurΓΌck nach Europa fliegen, um dort die nΓ€chste Phase unserer Radreise zu beginnen. Einen Tag vor dem Flug fuhren wir mit unseren FahrrΓ€dern etwa 20 Kilometer zum Zug, der uns dem Flughafen nΓ€herbringen sollte. Mit GepΓ€ck und Fahrradkartons war das alles andere als einfach, und als wir am Bahnhof ankamen, zeigte sich, dass der Fahrstuhl defekt war. Die Kartons und RΓ€der mussten Treppen hochβ und runtergetragen werden β ein Kraftakt, der ohne die Hilfe eines Einheimischen fast
Mit dem Fahrrad nach Buenos Aires [#42] WeiterlesenΒ Β»








![Sonnenuntergang in Encarnacion [Annkathrin KaΓner und Nico Ladewig auf Weltreise]](https://zweiaufrad.de/wp-content/uploads/2025/10/zweiaufrad-strand-encarnation-paraguay.webp)



































