ZurΓΌck in Montevideo [#41]
Als wir wieder in Montevideo ankamen, war unser altes Hostel sofort ein StΓΌck Zuhause. FΓΌr den Aufenthalt hatten wir zwar erst ab dem nΓ€chsten Tag vorreserviert, bezahlt wurde vor Ort in bar β in diesem Fall war es einfach so ΓΌblich. Da wir einen Tag frΓΌher kamen, wollten wir zunΓ€chst in einem anderen Hotel ΓΌbernachten. Doch fast ΓΌberall hieΓ es, dass unsere FahrrΓ€der nicht sicher abgestellt werden kΓΆnnten. In einem Fall war sogar das Tiefgaragentor defekt, sodass der Umweg mit unseren vollbepackten RΓ€dern schlicht keinen Sinn machte β und am Ende wΓ€re es auch teurer geworden als die Nacht im Hostel, das wir kannten. Im Hostel hatten wir jeweils ein Doppelzimmer fΓΌr uns alleine. Nach der ersten Nacht wechselten wir noch einmal in ein anderes Zimmer, weil das neue Zimmer ein Fenster nach drauΓen hatte und dadurch deutlich mehr frische Luft hereinlieΓ β nach so vielen Tagen auf der StraΓe ein wirklich groΓer Unterschied. Das Hostel war eine lebendige Mischung aus klassischen Reisenden, freiwilligen Helfern, die dort lebten und arbeiteten, und Studierenden aus Montevideo, die vorΓΌbergehend dort wohnten. Anfangs war es etwas merkwΓΌrdig, weil viele der vertrauten Gesichter schon weitergereist waren β aber im Laufe des Abends tauchten nach und nach doch einige bekannte Leute auf. Die groΓe GemeinschaftskΓΌche war ein toller Ort, um ins GesprΓ€ch zu kommen, und viele konnten Englisch sprechen, was nach einigen Tagen Spanisch eine angenehme Abwechslung war. Karneval in Montevideo β bunt, lang und intensiv WΓ€hrend unseres Aufenthalts fand der Karneval von Montevideo statt β einer der lΓ€ngsten und farbenprΓ€chtigsten Karnevals der Welt. Wir waren direkt am ersten Abend zur groΓen Auftaktparade auf der Avenida 18 de Julio. Die Parade begann erst am Abend und zog sich vier bis fΓΌnf Stunden lang hin. SitzplΓ€tze gab es nicht, wir standen die ganze Zeit, und nach einiger Zeit meldeten sich unsere FΓΌΓe deutlich. Trotzdem war es einfach fantastisch, all die farbenfrohen KostΓΌme, Masken, TΓ€nze und diese unglaubliche Energie mitzuerleben β ΓΌberall pulsierte die Stadt vor Rhythmus und Musik. SambaβParade auf der Avenida Am nΓ€chsten Abend fΓΌhrte uns der Karneval erneut auf die Avenida, diesmal zu den Sambaschulen. Die Gruppen traten in prΓ€chtigen KostΓΌmen auf, tanzten wild und voller Freude durch die StraΓen. Diesmal hatten wir GlΓΌck: Wir fanden einen Platz, an dem wir zwischendurch auf der Bordsteinkante sitzen konnten β eine kleine, aber sehr willkommene Pause fΓΌr unsere Beine. Auch diese Parade zog sich ΓΌber mehrere Stunden hin, aber die Stimmung war einfach ΓΌberwΓ€ltigend. Karneval beim Museo del Carnaval Ein weiteres Karnevalsevent besuchten wir beim Museo del Carnaval. Das Museum selbst hatten wir bereits an einem anderen Tag separat angeschaut, daher gingen wir diesmal direkt zur Show auf dem Parkplatz dahinter. Um dahin zu gelangen, musste man einmal durch das Museum hindurchgehen β ein schΓΆner Zufall, denn so bekam man noch einmal einen Eindruck von KostΓΌmen, Geschichte und HintergrΓΌnden dieser einzigartigen Tradition. Auf dem Platz traten verschiedene Gruppen auf, darunter Murga (eine Mischung aus Gesang, Theater und Humor) und Candombe (traditionelles Trommeln mit afrikanischen Wurzeln), begleitet von Trommlern, TΓ€nzern und bunten KostΓΌmen. Auch wenn vieles auf Spanisch war und wir nicht alles verstanden, machten Musik und Rhythmus diesen Abend zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Teatro de Verano & Trommlerparade Nach einigen langen Karnevalstagen gΓΆnnten wir uns einen Pausentag. Danach besuchten wir eine grΓΆΓere Show im Teatro de Verano RamΓ³n Collazo, professionell organisiert und mit festen SitzplΓ€tzen β ein ΓΌberraschend anderer Karnevalsmoment, aber sehr spannend. Die KostΓΌme waren erneut spektakulΓ€r, und das Publikum fieberte mit. Zum Abschluss wollten wir noch die berΓΌhmte Llamadas de Candombe sehen. Beim ersten Versuch war es zu voll, sodass wir wieder gingen. Am nΓ€chsten Abend probierten wir es mit einem anderen Radreisepaar, das wir zuvor kennengelernt hatten, erneut β und dieses Mal blieben wir bis zum Ende stehen und genossen die Parade in vollen ZΓΌgen. Tag der MeeresgΓΆttin β Licht & Rituale am Strand Eines der ungewΓΆhnlichsten und gleichzeitig berΓΌhrendsten Erlebnisse wΓ€hrend unserer Zeit in Montevideo war der sogenannte Tag der MeeresgΓΆttin. Am spΓ€ten Nachmittag zogen wir zum Strand von Montevideo β und wurden Zeuge eines besonderen Rituals: Menschen waren am Sandstrand versammelt, hatten Kerzen in kleine SandlΓΆcher gesteckt, kleine handgemachte Boote mit Opfergaben vorbereitet und warteten auf den Einbruch der DΓ€mmerung. Nach Sonnenuntergang wurden die Kerzen entzΓΌndet, die kleinen Boote mit Geschenken, Blumen und persΓΆnlichen WΓΌnschen versehen und β begleitet von Trommlern und TΓ€nzen β einer nach dem anderen ins Meer gesetzt. Γberall am Strand standen Menschen, einige in Stille, andere leise singend, manche lachten und tanzten, Tarotkarten wurden gelegt, Botschaften ausgetauscht, Geschichten erzΓ€hlt. Irgendetwas an diesem Moment, wie das Meeresrauschen, das flackernde Licht und die leise Erwartung der Menschen, machte diesen Abend zu einem ganz besonderen und intensiven Erlebnis. SpΓ€ter merkten wir, dass viele der im Parque Rodo und anderen MΓ€rkten kursierenden kleinen BootβOpfergaben, Kerzen und Tarotkarten genau fΓΌr dieses Ritual bestimmt waren β eine tief verwurzelte Verbindung von Glauben, Meer und Gemeinschaft, die uns nachhaltig beeindruckt hat. Palacio Legislativo β im Herzen der Politik Ein weiteres Highlight unserer Zeit in Montevideo war der Besuch des Palacio Legislativo, dem imposanten ParlamentsgebΓ€ude Uruguays. Wir nahmen an einer englischsprachigen FΓΌhrung teil, und die Gruppe bestand aus uns beiden und einer weiteren Person β plus unserem Guide, der uns die Geschichte und Bedeutung der RΓ€ume erklΓ€rte. Besonders beeindruckend war der groΓe Sitzungssaal des Senats, dessen hohe Kuppel von Licht durchflutet wird, sowie der SalΓ³n de los Pasos Perdidos, ein kunstvoll verzierter Mittelraum zwischen den SitzungssΓ€len, der mit Holzverkleidungen und Ornamenten besticht und einen starken Eindruck von der politischen Geschichte Uruguays vermittelt. Auch der Saal des ReprΓ€sentantenhauses mit seinen historischen GemΓ€lden und kunstvollen StΓΌhlen zeigte uns, welchen Stellenwert dieses Haus im politischen Leben des Landes hat. Nationalheld JosΓ© Gervasio Artigas β Geschichte erleben Wir besuchten auch die imposante Plaza Independencia, wo das monumentale Reiterstandbild von JosΓ© Gervasio Artigas steht. Artigas gilt als Nationalheld und βVater der uruguayischen Nationβ, der im frΓΌhen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle im UnabhΓ€ngigkeitskampf spielte und sich fΓΌr fΓΆderale Strukturen einsetzte, die bis heute zu Uruguays politischer IdentitΓ€t gehΓΆren. Unter dem
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